Ergotherapie in der Schule für
Geistig- und Körperbehinderte
(Therapeutisch orientierter Förderunterricht für
Schwerstmehrfachbehinderte)
Der Bildungsplan der Schule für Geistigbehinderte (16.
Dezember 1982) führt unter 1. Basale Förderung
folgende Ziele für den Unterricht bei schwerstmehrfachbehinderten
Schülern aus:
Fähigkeit, körperliche
Beeinflussungen zu erleben
- Wahrnehmen
der Raumlage des Körpers und Erhalten des Gleichgewichts
in Ruhe und Bewegung
- Erfahren
der physischen Einheit des Körpers durch Kennen der
Körperteile und ihrer Funktionen und Empfinden der
Körperoberfläche
- Wahrnehmen
und Einordnen von Sinnesreizen
Fähigkeit, Eigenaktivitäten
zu erleben, zu differenzieren und zu steuern
- Aktivierungshilfen
an sich geschehen zu lassen und sie unterstützen
- Bewegungsstereotypien
aufgeben und gezielte Bewegung aufnehmen
- Umweltreize
und Anregungen beantworten
- usw.
Der Pädagogische Auftrag bei schwer beeinträchtigten
Schülern mit besonders hohem Förderbedarf in der
Schule für Körperbehinderte (Beschluss der Kultusministerkonferenz
vom 06.09.1983) wird als Entwicklungsförderung
bezeichnet. Durch die Lehrer sollen bei den Schülern
Entwicklungsprozesse (Normalentwicklung) angeregt werden unter
Berücksichtigung der Bewegungserleichterung auf neurophysiologischer
Basis.
In Baden-Württemberg unterrichten an den Schulen für
Geistig- und Körperbehinderte neben SonderschullehrerInnen
auch ErzieherInnen, PhysiotherapeutInnen und ErgotherapeutInnen,
die sich durch eine Zusatzausbildung als FachlehrerInnen qualifiziert
haben.
Die Ausbildung zum/zur FachlehrerIn (K) setzt die Ausbildung
zum/zur ErgotherapeutIn bzw. PhysiotherapeutIn voraus, Ausbildungsstätte
ist z.B. das Fachseminar für Sonderpädagogik in
Reutlingen.
ErgotherapeutInnen lernen während
seiner/ihrer 3jährigen Berufsausbildung in Theorie und
Praxis u.a.:
- Berufs,
Gesetzes und Staatsbürgerkunde,
- Gesundheitslehre
und Hygiene,
- Biologie,
- Anatomie
und Physiologie,
- Allgemeine
Krankheitslehre,
- Spezielle
Krankheitslehre einschließlich diagnostischer, therapeutischer,
präventiver und rehabilitativer Maßnahmen, z.B.:
in der Chirurgie, Inneren Medizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Neurologie, Orthopädie, Pädiatrie,
- Einführung
in die Arzneimittellehre,
- Psychologie
- Bewegungserziehung,
Spiel und musische Gestaltung
- Fachspezifische
Behandlungstechniken, insbesondere in der Chirurgie, Orthopädie,
Neurologie, Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Pädiatrie und Geriatrie.
Pädagogik und Sonderpädagogik:
- Allgemeine
Fragen der Pädagogik
- Grundbegriffe
der Pädagogik
- Intentionale
und funktionale Erziehung
- Erziehungsmittel
und methoden
- Lehr-
und Lernverhalten
- Sonderpädagogik
- Grundbegriffe
der Sonderpädagogik
- Erziehungsziele
und Erziehungsschwierigkeiten
- Sonderpädagogische
Maßnahmen
Handwerkliche und gestalterische Techniken:
- Bildnerisches
Gestalten
- Arbeiten
mit textilem Material
- Arbeiten
mit Holz
- Arbeiten
mit Metallen
- Arbeiten
mit Ton
- Arbeiten
mit Papier und Pappe
- Arbeiten
mit Leder und Rohr
- Arbeiten
mit Kunststoffen und sonstigem Material
Während der 1,5jährigen Zusatzausbildung zum/zur
FachlehrerIn (K), am Fachseminar für Sonderpädagogik
in Reutlingen, werden sie in Theorie und Praxis u.a. unterrichtet
in:
- Schulpädagogik
=> didaktische Konzepte in Körper- und Geistigbehindertenpädagogik,
Mediengestaltung und einsatz bei schwer cerebralgestörten
Schülern, Planung, Entwurf, Konstruktion und Herstellung
von Hilfsmitteln für körperbehinderte Schüler,
bewegungstherapeutische Grundlagen, Handling, Unterrichtsanalyse/Unterrichtsplanung,
basale Förderung
- Psychologie
=> Entwicklungspsychologie, Verhaltensbeobachtung, Verhaltensänderung,
Lerntheorien
Medizin => Schädigungsformen, neurophysiologische
Grundlagen in ihrer Bedeutung für die Förderung
von Schülern, Neuropädiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie
- Diagnostik
=> Anamneseerhebung, Gutachtentechnik und Kasuistik,
interdisziplinäre Diagnostik
Mit diesem therapeutischen und pädagogischen Verständnis
und Wissen arbeiten ErgotherapeutInnen dann vielfach im Bereich
der Förderung Schwerstmehrfachbehinderter an den Schulen
für Geistig- und Körperbehinderte.
Verfasser:
Heinz Gansky
Ergotherapeut / Fachlehrer K
Paul-Meyle-Schule für Geistig- und Körperbehinderte
Güldensteinstraße 32
74081 Heilbronn
Die Literaturliste für den Bereich "Ergotherapie"
finden Sie hier.
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