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Themenbereich "Therapie"
 

Atemkommunikation, Atemübung, Atemtherapie warum und wofür ?

Medizinisch - Therapeutische Aspekte:

Durch:

  • Bewegungsmangel
  • einseitigen Haltungen
  • Wirbelsäulenverkrümmungen
  • Flüssigkeitsmangel
  • Mundatmung => Einatmungsluft wird nicht durch die Nase gefiltert

kommt es zur Einschränkung der Lungenfunktion. Die Lunge wird nicht mehr ausreichend gebläht und belüftet, - die Lungenareale verkleben, - es entstehen Lungeninfekte.
Atemübungen können helfen, daß die Lunge besser belüftet wird, der Brustkorb beweglicher wird, der Schleim gelöst und abtransportiert wird. Das erleichtert die Atmung, das Kind ist entspannter. Atemübungen haben einen günstigen Einfluß auf die Ernährung.

Kommunikative Aspekte:

Atemübungen stellen eine Entspannungssituation für beide Partner dar, - sie befinden sich in einem entspanntem körperbezogenem Dialog. Der Betreuer kann sich mit Ruhe auf das Kind einlassen, - " Was zeigt mir das Kind, wie reagiert es auf meine (zuerst) sachten, kommunikativen Angebote ?"
Für den Menschen mit schwerer Mehrfachbehinderung ist die Atemübung eine Gelegenheit der Zuwendung, - ohne unangenehme Nebeneffekte und frei von einer offensichtlichen Erwartungshaltung, - er wächst in die "Aufgabe" hinein. Die Beziehung zwischen beiden Partnern verbessert bzw. festigt sich.

Durchführung:
Es gibt sehr viele, gute Atemübungen, wie z.B. Dehnlagerungen, Drainagelagerungen, Yoga - Übungen, Massagegriffe u.v.m. Ich habe fünf Atemübungen ausgewählt, diese nehmen Rücksicht auf die besonderen körperlichen Bedingungen der Kinder und Jugendlichen mit einer schweren Mehrfachbehinderung.
Alle Übungen sind sehr körpernah gestaltet und sollen dem Kind Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.

Erstes Atmen:
Das Kind sitzt vor mir und kann sich anlehnen. Ich lege meine Hände auf seinen oberen Brustkorbbereich. Jede Einatmung des Kindes begleite ich mit einem gleichmäßigem Auseinanderziehen meiner Hände und einer gleichzeitigen Aufrichtung meines Oberkörpers Þ Der Brustkorb kann sich im vorderen Bereich leichter dehnen, dem Kind wird die Einatmung erleichtert.
Jede Ausatmung wird von einem sanftem Druck begleitet und einem Einrollen meines Oberkörpers. Ist die Atmung sehr flach und schnell, muss nicht jeder Atemzug begleitet werden. Ist die Ausatmung sehr kurz, kann sie durch längeren begleitenden Druck vertieft werden. => Dieses gilt für jede der folgenden Atemübungen !

Zweites Atmen:
Das Kind liegt in Seitenlage über meinem Schoß. ( Diese Ausgangsposition ist besonders gut mit kleinen Kindern einnehmbar). Meine Hände haken sich am Beckenkamm und am Schulterblatt des Kindes ein. Jede Einatmung des Kindes begleite ich mit einem Auseinanderziehen meiner Hände und meiner Beine. Þ Der Brustkorb wird dadurch seitlich aufgedehnt, dem Kind wird die Einatmung erleichtert. Bei jeder Ausatmung lässt der Zug meiner Hände und meiner Beine nach.

Drittes Atmen:
Das Kind sitzt im Langsitz auf dem Boden und kann sich mit dem Oberkörper bei mir anlehnen.
Sein Arm wird von mir gehalten. ( S. Skizze ). Wiederum wird jede Einatmung durch einen Dehnzug begleitet, welcher bei der Ausatmung nachgelassen wird. Beide Brustkorbseiten werden nacheinander gedehnt und belüftet.

Viertes Atmen:
Das Kind liegt auf einer Matte, die Beine sind mit einem Knautschsack o.a. unterlagert. => Viele Menschen mit einer schweren Mehrfachbehinderung liegen nur ungern in der ausgestreckten Rückenlage da häufig Streckspasmen einschießen, welche die Haltungskontrolle erschweren. Eine gänzlich ausgestreckte Körperhaltung ist außerdem ungewohnt und verunsichernd, da die gebeugte Sitzhaltung vorherrscht. Durchführung: s. Drittes Atmen

Fünftes Atmen:
Ich sitze im Langsitz, das Kind liegt mit einer gebeugten Kopfhaltung zwischen meinen Beinen, - so kann es seinen Bauch anschauen. ( Kleinere Kinder liegen mit ihrem Kopf auf unseren Füßen ). Bei jeder Ein und Ausatmung bewegt sich das "Bauchgesicht". Evtl. begleite ich jede Einatmung mit einem Dehnzug an beiden Beinen.

Varianten:
statt dem Bauchgesicht malen wir bei jeder Ausatmung ein Bein vom Tausendfüßler mit schönen langen Beinen, oder Regenfäden, oder Sonnenstrahlen, oder, oder...
wir legen dem Kind ein Sandsäckchen, Kirschkernsäckchen oder eine Zeitung auf den Bauch, - es soll versuchen diese Gegenstände herunterzuatmen. Þ kleine Gewichte auf dem Brustkorb oder auf dem Bauch können helfen die Atmung in die gewünschte Richtung zu lenken und zu vertiefen.
M. Bühnen

 
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