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Themenbereich "Schulische Förderung"
 

Sonderpädagogisches Forum „Kinder und Jugendliche mit schweren Mehrfachbehinderungen“, Ulm am 17. November 2000

Teamentwicklung in der schulischen Arbeit mit schwer mehrfachbehinderten Kindern und Jugendlichen

Renate Schwark, FD'in
Schloss-Schule
Schlossstraße 23
68549 Ilvesheim

Gliederung
1) Teamentwicklung in der Schule - ein kurzer Überblick
2) Die Bedeutung der Teamentwicklung für die schulische Arbeit mit schwer mehrfachbehinderten Kindern und Jugendlichen
3) Das Ilvesheimer Strukturmodell der Teamarbeit
- Exemplarische Darstellung eines "Teams"
- Organisation, Zielsetzungen und Arbeitsweisen eines "Kern -Teams"
- Schulische Rahmenbedingungen
4) Ausblick

1. Teamentwicklung in der Schule - ein kurzer Überblick
Im modernen Sprachgebrauch versteht man im Bereich der Schule unter einem "Team" eine "demokratisch organisierte Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern mit unterschiedlichen Ausbildungsrichtungen, sozialen und methodischen Kompetenzen; sie begleitet über einen längeren Zeitraum eine Schülergruppe; im Rahmen des Schulprofils reflektiert sie ihre fachliche, methodische und pädagogische Arbeit; sie ist sich selbst und den Schülerinnen und Schülern eine Heimat mit Vertrauen und Zuwendung." (Joachim Dröge: Gemeinsam im Team; Schulleiter-Handbuch Nr. 91, S. 41)
Die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass Teamentwicklung ein unentbehrliches Element der inneren Schulentwicklung darstellt, wenn diese erfolgreich verlaufen soll.
Eng daran gekoppelt scheint die individuelle Persönlichkeitsentwicklung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines schulischen Teams zu sein.
Schlüsselqualifikationen, die man gemeinhin unter "Teamfähigkeit = Fähigkeit zur Zusammenarbeit" zusammenfasst, beziehen sich auf so verschiedene soziale Kompetenzen wie
Fairness, Toleranz, Empathie, Aufgeschlossenheit, Frustrationstoleranz, Menschenfreundlichkeit, Sachlichkeit in der Argumentation, Kritikfähigkeit, soziale Verantwortung vor allem gegenüber den Schülerinnen und Schülern und deren Interessen ...
Das Wachsen einer positiven Einstellung eines gesamten Lehrerkollegiums gegenüber der Teamarbeit, die Verbesserung der Teamfähigkeit des Einzelnen und seine volle Bereitschaft, mit anderen gemeinsam neue Wege zu beschreiten, zu planen, zu erproben, zu kommunizieren, Fehler zu machen und zu korrigieren u.v.m., brauchen viel Zeit und große Freiräume, die Schule bereit stellen muss, sollen die Vorteile der Teamarbeit zum Tragen kommen.

Vorteile der Teamarbeit gegenüber dem "Einzelkämpfertum"
· die Gruppe weiß mehr (=Vielfalt des Kompetenzen)
· die Gruppe regt an (=Vielfalt der Begabungen und Interessen)
· die Gruppe gleicht aus (=Vielfalt der Charaktere)
(vgl. Elmar Philipp: Teamentwicklung in Schulen", Schulleiter-Handbuch Nr. 73, S. 17 ff)

Philipp sieht in der Team-Arbeit einen organisatorischen, aber auch einen individuellen Nutzen:
· Teamarbeit ermöglicht Arbeiten, die ein Einzelner nicht leisten kann
· bei Planung und Durchführung der Aufgaben kommen unterschiedliche Perspektiven zum Tragen
· starre Organisationsformen können leichter aufgebrochen werden
· neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind leichter zu integrieren
· Selbsterfahrung des Einzelnen durch "Spiegelung" durch Team - Mitglieder
· ...
Diese Gruppeneigenschaften gereichen nicht automatisch zum Vorteil in der schulischen Arbeit: Sie müssen konsequent entwickelt und gepflegt werden.
Elmar Philipp schlägt hierzu die Instrumentarien des "Feedback" und der "Prozessanalyse" vor.

Feedback
Die einzelnen Mitglieder einer Gruppe geben sich gegenseitig Rückmeldungen über ihr Verhalten während des Arbeitsprozesses und denken bei Bedarf gemeinsam über Verhaltensmodifikationen nach. Kenntnisse und Methoden der Kommunikationspsychologie sind hierzu unbedingt erforderlich, um den Feedbackprozess bewusst und erfolgreich zu gestalten. Wird dies geleistet, können gut und regelmäßig gepflegte Rückkoppelungen dazu führen, dass alle Gruppenangehörigen ihr Verhalten zum Wohle der gemeinsamen Zielsetzungen positiv verändern.
Der Autor schlägt vor, die Rückmeldungen an folgenden Maßgaben auszurichten:
· konkret
(Verhaltensweisen konkret beschreiben, nicht interpretieren, verallgemeinern, bewerten)
· kurz
(Feedback auf wenige wichtige Eindrücke beschränken, die unmittelbar Erlebtes knapp und genau wiedergeben)
· konstruktiv
(Rückmeldung nur geben, wenn erwünscht; negative mit positiver koppeln)
· kurzfristig
(Rückmeldung direkt geben, nicht erst nach längerer Zeit)

Prozessanalyse
Sie stellt ein zentrales Instrument bei der Teamentwicklung dar, das
· vor allem zu Beginn des Gruppenprozesses zeigen und steuern kann, wie jedes Mitglied die Gruppe und die darin herrschende Dynamik empfindet;
· geeignet ist, um innerhalb der Gruppe die Kritikfähigkeit und die Qualität der eigenen Arbeit zu verbessern.
Als Methoden bieten sich u.a. an
· Ein-Punkt-Fragen ("Wie zufrieden bin ich...?")
· Gefühls- und Zufriedenheitsthermometer
· Stimmungsbarometer
· ...
Jede Gruppe zeichnet sich durch eine ihr eigene Dynamik aus, die zumeist jedoch vier "idealtypische" Phasen durchläuft. Aus einer "zufällige(n) Ansammlung von Individuen" - eine Anzahl von sechs bis acht Mitgliedern sollte nicht überschritten werden - entwickelt sich im Laufe der Zeit eine "reife" Gruppe, wenn alles gut läuft. (Philipp a.a.O., S. 22)
Francis / Young veranschaulichen diesen Wachstumsprozess einer Gruppe in einer "Team-Entwicklungsuhr". Sie lässt sich in der Praxis einsetzen, um festzustellen, in welchem Stadium sich die eigene Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt befindet und welche Veränderungsmaßnahmen man für die Zukunft vorsehen möchte. (Francis, D./ Young, D.: Mehr Erfolg im Team. Hamburg 1989, S. 173 ff)

2. Die Bedeutung der Teamentwicklung in der schulischen Arbeit mit schwer mehrfachbehinderten Kindern und Jugendlichen
Gilt das zuvor Gesagte für jegliche Form schulischer Teamentwicklung, so stellt die Arbeit mit schwer behinderten Kindern und Jugendlichen in diesem Problemkreis nochmals eine besondere Herausforderung dar: In der Vergangenheit war das "Schule halten" auch in der Schule für Geistigbehinderte fast ausschließlich die Aufgabe von lehrenden "Einzelkämpfern". Nur in besonderen Fällen unterstützte eine Zweitkraft, meist als Pflegekraft, zeitweise die Lehrerinnen und Lehrer.
Mit der Aufnahme schwer mehrfachbehinderter Schülerinnen und Schüler in unsere Schulen ist diese Form des Unterrichtens nunmehr undurchführbar. Die Bedürfnisse und das Sosein dieser Kindergruppe fordern ein gänzlich anderes Vorgehen: Nicht ein Einzelner/eine Einzelne ist in der Lage, dieser anspruchsvollen Aufgabe gerecht zu werden, sondern eine ganze "Gruppe" von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit unterschiedlichen Kompetenzen sind unabdingbar vonnöten.
In dieser strukturell vorgegebenen Situation, die gar nichts anderes als das Arbeiten im Team zulässt, liegt m. E. aber die große Chance, nicht nur diesen Kindern voll gerecht zu werden, sondern auch die jeweilige Schule von innen heraus weiter zu entwickeln und die Arbeitskultur zu optimieren.
Das gemeinsame Planen und Durchführen von Unterrichtsprojekten, die freundlichen Kommunikationsformen untereinander, die Hilfestellung bei körperlich schweren Arbeiten, die gegenseitige Vermittlung neuer Kompetenzen, die genauen Kenntnisse um die Bedürfnisse der Kinder der Gruppe, das Verfolgen von Förderzielen und Bewältigen von Alltagspflichten u.v.m. sind für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter grundlegende professionelle Facetten der Teamarbeit, die es zu pflegen gilt, um die nicht immer einfache Aufgabe tagtäglich mit großem Einsatz und nicht nachlassender Freude und Zufriedenheit zu meistern.
Der Erfolg in der schulischen Arbeit mit schwer mehrfachbehinderten Kindern hängt jedoch ganz entscheidend davon ab, ob ein Team "funktioniert" oder ob wegen fehlender Teamfähigkeit der Gruppenmitglieder "ständig Sand ins Getriebe gelangt". Im ersten Fall stellt ein solcher Arbeitsplatz für alle Beteiligten ein bereichernder Ort dar, an dem man sich gerne aufhält und seine Aufgaben zum Wohle aller erfüllt.
Im umgekehrten Falle wenden sich die Vorteile der Teamarbeit ins Gegenteil. Nur eine intensiv (von außen) gesteuerte Teamentwicklung kann dann i.d.R. das Arbeitsklima verbessern und großen Schaden für die Institution und besonders für die Kinder abwenden.


3. Das Ilvesheimer Strukturmodell der Teamarbeit
Die Schloss-Schule Ilvesheim ist eine der ältesten Blindenschulen Europas. Ihre Anfänge reichen bis in das Jahr 1826 zurück. Zur Zeit besuchen einhundertfünfundvierzig blinde oder hochgradig sehbehinderte Schülerinnen und Schüler vom Schulkindergarten bis zur Realschule diese Einrichtung.
Ein bedeutender Schwerpunkt unserer Arbeit liegt seit ca. dreißig Jahren auch in der schulischen Förderung und Erziehung mehrfachbehinderter Kinder, die neben der Sehschädigung an weiteren Behinderungen leiden. Der Anteil der schwer mehrfachbehinderten Kinder und Jugendlichen wächst seit Jahren kontinuierlich. Zweidrittel der Schülerschaft in der Abteilung für Geistigbehinderte ( in absoluten Zahlen:40 von 65 Kindern ) sind mittlerweile dieser Gruppe zuzurechnen.
Das Organisationsmodell der Abteilung für Geistigbehinderte an der Schloss-Schule Ilvesheim steht im folgenden im Mittelpunkt der Betrachtungen:
Die Schülerschaft (65 Kinder und Jugendliche) verteilt sich auf zwölf Klassen mit je vier bis sieben Schülerinnen und Schüler. Die Zusammensetzung der Klassen folgt in der Unterstufe dem Prinzip der Altershomogenität. In höheren Klassenstufen können jedoch auch andere Gesichtspunkte wie z.B. das Vermeiden von zu vielen Rollstuhlkindern in einer Klasse zu neuen Lerngruppenkonstellationen führen.
Um die Personal- und Sachressourcen bestmöglich zu nutzen und vielfältige Probleme im Schulalltag sachangemessen lösen zu können, hat es sich in den vergangenen sieben Jahren gut bewährt, jeweils zwei Klassen zu einer Großgruppe zusammen zu koppeln.
Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Einheit bilden ein "Team" und bewältigen für mindestens ein Jahr, i.d.R. aber für mehr als drei Jahre die anfallenden Aufgaben gemeinsam.
Wer gehört nun alles zu solch einem "Team"? Im folgenden wollen wir am Beispiel unserer Oberstufenklassen zeigen, dass es eine Vielzahl von Mitarbeitern gibt, von denen einige sehr wichtig, andere weniger bedeutsam für die Gruppenarbeit sind. Doch alle wirken sich direkt oder indirekt auf das Gruppengeschehen und die Arbeit in der Schule aus.
Deutlich wird darüber hinaus, dass die optimale "Team-Größe" von sechs bis acht" Gruppenmitgliedern bei weitem überschritten wird, wenn man alle Personen mit einbezieht, die in irgendeiner Weise mit dieser Lerngruppe zu tun haben.
Später wird zu zeigen sein, dass wir zum eigentlichen "Kern - Team" nur die engeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen. Sie sind es, die die Arbeitsprozesse planen und steuern. Alle anderen Kontakte werden ermöglicht und gestützt durch eine große Transparenz der Abläufe und Planungen und eine stetige Kommunikation untereinander.

Das "Team-Netz" der Oberstufenklassen GOa und GOb
Die Klasse GOa ( sechs Schülerinnen und Schüler) wird von einem Fachlehrer als Klassenlehrer geführt. Er ist die wichtigste Bezugsperson für den Klassenverband und den Kontakt zu Eltern, Erziehern, Therapeuten ... Zwei Tage in der Woche arbeitet eine Fachlehreranwärterin mit. und bringt starke Impulse aus dem Fachseminar in die Unterrichtsarbeit ein.
Die Klasse GOb bildet das Pendant. Sie wird von einer Fachlehrerin geführt. Auch sie kümmert sich als Mentorin um eine Fachlehreranwärterin, die zweimal in der Woche in der Klasse ihre schulpraktische Ausbildung erhält.
Die Klassen GOa und GOb bilden zusammen eine Großgruppe mit dreizehn Schülerinnen und Schülern. Dieser Einheit sind gemeinsam weitere drei Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter zugeordnet: Zwei Sonderschullehrerinnen, eine Fachlehrerin und ein Zivildienstleistender. Sie stellen vor allem in den Kernzeiten des Unterrichts die jeweilige "Doppelbesetzung" der zwei Lerngruppen/Klassen sicher und gehören zum "Kern - Team", das die Unterrichtsprozesse steuert.
Zum erweiterten Team gehören die verschiedenen Therapeuten, die Erzieherinnen, die nachmittags als "Doppelbesetzung" den Unterricht mitgestalten und von Fall zu Fall die Krankenschwestern (z.B. wenn Kinder sondiert oder abgesaugt werden müssen). Das "Kern-Team muss mit diesem Personal eng zusammen arbeiten, d.h. Wissen austauschen, Arbeitsabläufe und Vorhaben transparent machen etc.
Fast alle Schülerinnen und Schüler besuchen die freiwilligen Angebote der Arbeitsgemeinschaften. Sie kommen dabei mit den Kindern anderer Großgruppen zusammen und werden i.d.R. von weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterrichtet / betreut. Auch mit diesem Personal muss das "Kern-Team" Kontakt halten und Gespräche führen.
Im äußeren Kreis sind die Personen aufgeführt, die zwar nicht alle gleich intensiv und täglich, aber von Fall zu Fall sehr intensive Kontakte zum "Kern-Team" haben. So sind z.B. die Bus- und Taxifahrer oft wichtige Nachrichtenübermittler zwischen Elternhaus und Schule.

An den Darstellungen ist zu erkennen, dass sich vom inneren Kern der Großgruppe aus in konzentrischen Kreisen ein ganzes Netz von "Team - Mitgliedern" lagert. Sie alle haben aus ihrer Perspektive und Aufgabenstellung mit den Kindern zu tun und tragen mit Sorge dafür, dass die Gesellschaft allen Kindern, auch den schwer mehrfachbehinderten, ihr Recht auf Bildung und Erziehung einlösen kann.
Damit ein solches "Team - Netz" auf allen Ebenen funktionieren und seine Aufgabe bewältigen kann, muss zunächst ein Minimalkonsens im Umgang miteinander bestehen: Gegenseitiges Wohlwollen, Toleranz, Offenheit und stete Gesprächsbereitschaft sind wichtige soziale Kompetenzen, die alle Beteiligten aufbringen müssen.
Es wird aber außerdem deutlich, dass die Hauptsorge für alle wichtigen schulischen Aufgabenfelder beim „Kern - Team“ liegt. Diese acht Personen (siehe Bild 3) bilden den Motor für alle Lern-, Erziehungs- und Bildungsprozesse und haben es in der Hand, ob Schule für die ihnen anvertrauten Kinder zu einem Ort wird, der ihnen optimale Möglichkeiten zur individuellen Persönlichkeitsentfaltung eröffnet und in der sozialen Gemeinschaft "eine glückliche Gegenwart ermöglicht" (A. Fröhlich)


Organisation, Zielsetzungen und Arbeitsweisen eines "Kern -Teams"
Als Organisationsgrundlage erstellt die Schulleitung für das jeweils neue Schuljahr einen Stundenplan in Form eines Rahmenplans, in den die Vorgaben der Stundentafel, die Deputatsverteilung und die individuellen Wünsche der sechs Kern -Teams einfließen.
Da die Pläne kompatibel zu denen der Allgemeinabteilung sein müssen, was Unterrichts- und Stundenbeginn/ende, Pausenverteilung, Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Busse etc. betrifft (eine ganze Reihe der Lehrerinnen und Lehrer ist in beiden Abteilungen eingesetzt), ist das Zeitraster des Unterrichtsalltags festgelegt. Doch innerhalb dieser Vorgaben arbeitet die Abteilung für Geistigbehinderte sehr flexibel: Die Zusammensetzung der Lerngruppen und die Gestaltung der Lernsequenzen z.B. gehören zur Aufgabe eines jeden Teams und können von Gruppe zu Gruppe stark variieren.
Wie oben schon dargestellt, sind die Klassenlehrer/-lehrerinnen die zunächst wichtigsten Ansprechpartner, die die Organisation ihrer Klasse auf allen Ebenen "anstoßen" und gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des „Kern -Teams“, zu dem sich auch die Therapeuten gesellen, folgende Aufgabenfelder bearbeiten:
· Strukturierung der Schultage während einer Schulwoche
· Zusammensetzung der Lerngruppen über die Schultage verteilt (wechselt mehrmals am Tag)
· Festlegung der Sozialformen (Großgruppen-, Kleingruppen-, Einzelunterweisung. Therapien .....)
· Einteilung der Personalressourcen über den Schultag verteilt
· Festlegung des Raumbedarfs in Absprache mit den anderen Teams (jeder Großgruppe stehen zu jeder Zeit mindestens vier Raumangebote zur Verfügung)
· Erstellung der Pläne für das Abholen an den Bussen und Taxen
· Einsatz des Personals beim Mittagessen ( z.B. Fütterkinder)
· Planung der Unterrichtsvorhaben und Projekte während des Schuljahres
· Erstellung und Niederschrift der Stoffverteilungspläne
· Festlegung der Förderangebote einzelner Schüler
· Absprache mit den Therapeuten wegen Einzeltherapien und Hilfsmittelversorgung
· Absprache mit den Krankenschwestern wegen medizinisch notwendiger Maßnahmen bei einzelnen Kindern (Abklopfen, Absaugen, Sondieren von Flüssigkeit...)
· Anberaumung und Durchführung der Fördergespräche mit den Erzieherteams
· Teilnahme an ausserunterrichtlichen Angeboten des Internats
· Elternarbeit (Elterntage, Besuche, Elternbriefe, Telefonate etc.)
· Absprachen mit den hauswirtschaftlichen Mitarbeitern, Hausmeistern, der Verwaltung...
· Planung und Durchführung schulinterner Fortbildungen
· Regelung der Vertretung bei Abwesenheit eines Mitglieds (in Absprache mit dem Abteilungsleiter)
· "Aushilfe" von Team-Mitgliedern in anderen Teams
· ...
Diese Aufzählung ließe sich noch durch vielfältige Tätigkeiten ergänzen. Entscheidend ist, dass das Team seine Aufgaben kennt und die Zielsetzungen klar definiert werden.
Wichtig ist außerdem, dass innerhalb der Teams die Aufgabenverteilung geregelt ist, dass jeder seinen Anteil daran übernimmt und den anderen Mitgliedern seine Sicht der Dinge transparent macht; denn nicht alle können alles leisten. Gerade die Verteilung auf mehrere Schultern schafft Freiräume und schont Kräfte.
An den Kommunikationsprozessen sollten jedoch alle beteiligt sein, damit wesentliche Gesichtspunkte die Kinder, als auch den Unterricht selbst betreffend jedem bekannt sind und gravierende Fehler durch Unwissen vermieden werden.
Oberstes Ziel dieser gemeinsamen Planungen - die vor allem zu Beginn eines jeden Schuljahres sehr zeitaufwendig sind - muss sein, Schule so zu organisieren, dass sie zu einem Ort wird, an dem Leben und Lernen eine enge Verschränkung eingehen können. In diesem Punkt unterscheidet sich die Arbeit mit schwer mehrfachbehinderten Kindern entscheidend von anderen schulischen Institutionen.


Schulische Rahmenbedingungen
Damit die Team-Mitglieder die an sie gerichteten Anforderungen erfüllen können, brauchen sie neben ihrer individuellen Team - Fähigkeit auch äußere Rahmenbedingungen, die Schule schaffen muss.
Die Gruppe braucht neben der Rahmensetzung einen gewissen Grad an Autonomie, damit sie kreativ und eigenverantwortlich planen und das Geplante in die Tat umsetzen kann.
Sie braucht weiterhin Zeit zu Vorbereitung und Kommunikation untereinander. Während des Schultags muss es immer wieder Freiräume und -zeiten geben, in denen informelle Kontakte und kurze Gespräche möglich sind (z.B. bei der Übergabe" an eine andere Lehrkraft).
Weiterhin braucht das Team Unterstützung durch die Schulleitung. Diese sollte gegenüber Ideen und Vorhaben immer aufgeschlossen sein und notwendige sächliche Ressourcen, soweit vorhanden, bereit stellen. Sie sollte auch die Anstrengungen der Gruppe und ihre positiven Arbeitsergebnisse würdigen; denn die Gruppe ist auf Rückmeldungen und Erfolgserlebnisse angewiesen, um mit neuem Elan neue Vorhaben zu realisieren.
Obwohl die Gruppe jeweils einen Sprecher/Motor braucht, sollte die Schulleitung auch die anderen Team - Mitglieder in die Gespräche einbeziehen, damit keine Hierarchien innerhalb der Gruppe aufgebaut werden. Das Wechseln der Führung hat sich bewährt. So ist es ungeschriebenes Gesetz in Ilvesheim, dass bei gemeinsamen Veranstaltungen jeweils ein Team für die Vorbereitung zuständig ist, dass aber jeder einmal "vorne" steht und die Veranstaltung "moderieren darf".
Während der "Intragruppenwettbewerb" (=individuelle Leistungsbewertung) gruppenhemmend zu sein scheint, ist der Wettbewerb zwischen den einzelnen Teams wünschenswert und kann für die innere Schulentwicklung einen wesentlichen Motor darstellen.
Die Zusammenstellung der "Kern -Teams" basiert sowohl auf Sachzwängen als auch auf persönlichen Wünschen. Es hat sich gezeigt, dass es die Gruppenarbeit erleichtert, wenn sich die Mitglieder auch persönlich gut verstehen und außerschulische Kontakte pflegen. So wäre es kontraproduktiv, über Jahre gewachsene, stabile Kern -Teams auseinander zu reißen. Neue Mitglieder sind jedoch in jedem Schuljahr zu integrieren, was in der Regel umso besser gelingt, je stabiler der „Kern“ der Gruppe ist.
Treten Konflikte auf, kann die Schulleitung versuchen zu intervenieren und die Schwierigkeiten zu beseitigen. Kommt es dazu, dass sich ein Mitglied nur schwer in ein schon "gewachsenes Team" einklinken kann, sollten auch Umsetzungen während des Schuljahres möglich sein. Jedoch gab es diesen Fall bisher äußerst selten.

4. Ausblick
Team-Arbeit in der Schule steckt noch in den Kinderschuhen und bedarf in allen Institutionen großer Beachtung. Auch in Ilvesheim ist noch vieles verbesserungswürdig, die "Erprobungsphase" noch nicht abgeschlossen.
Doch es hat sich gezeigt, dass diese Arbeitsorganisation die einzige zu sein scheint, mit der die vielfältigen Aufgaben in der Schule mit schwer mehrfachbehinderten Kindern und Jugendlichen bewältigt werden können.
Da ein "Team" aus menschlichen Mitgliedern besteht und damit "lebendig" und wie jedes System ständigen Veränderungen unterworfen ist, werden die Arbeit an und die Bemühungen um diese Organisationsform nie abgeschlossen sein. Aber es lohnt sich in vieler Hinsicht, in diese Aufgabe Kraft und Energie zu investieren.

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