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Themenbereich "Schulische Förderung"
 

Workshop: Förderplanung
Vorstellung des „Interdisziplinären Lernbegleiters“
- Die Förderakte der Friedrich - von - Bodelschwingh - Schule in Ulm -

Ansätze und Überlegungen zur Erstellung der Förderakte

Für die Planung des Unterrichts und die Förderung der einzelnen Schüler/innen an der Schule für Körperbehinderte (SfK) bestehen verschiedene Planungsansätze und unterschiedliche Voraussetzungen. Dazu gehören:

  • die verschiedenen Bildungspläne (für die Grund- und Hauptschule, die Förderschule und die Schule für Geistigbehinderte). Die Bildungspläne legen vor allem die Unterrichtsinhalte und die Zielvorstellungen für die einzelnen Schularten fest.
  • die einzelnen Schüler/innen an der Schule für Körperbehinderte mit ihren sehr heterogenen Lernvoraussetzungen. Als Folge besteht für jeden Schüler eine unterschiedliche Lernausgangslage und ein daraus resultierender individueller Förderbedarf.
  • die unterschiedlichen Vorstellungen der Lehrkräfte und Mitglieder eines Klassenteams in Bezug auf die Inhalte, die Methodik und die konkrete Planung des Unterrichtsablaufs.

Aufgrund dieser oftmals sehr verschiedenen Vorstellungen sind die Stoffpläne häufig nur in geringem Maß miteinander abgestimmt. Wegen anders gesetzter Schwerpunkte kommt es daneben häufig vor, dass der Therapiebereich völlig getrennt vom Klassengeschehen in Einzelfördersituationen arbeitet, obwohl doch eine Integration in den Unterricht wesentlich sinnvoller wäre.

Kurz zusammengefasst versucht die Förderakte folgende Planungsansätze und Voraussetzungen miteinander zu koordinieren:

Bildungsplan
Inhalte
Zielformulierungen
  Schüler/innen
individuelle Lernausgangslage
Förderbedarf
 

Förderakte

 
  Lehrkräfte und Mitglieder des Klassenteams
Inhalte
Methodik
Unterrichtsplanungnung

 

Es zeigte sich an unserer Schule, dass die Koordination dieser verschiedenen Planungsansätze und Voraussetzungen in einzelnen Klassen durch gemeinsame Absprachen und intensive Zusammenarbeit recht gut gelangen, in anderen Klassen dagegen aber Defizite bestanden. Aus diesem Grund wurde der Versuch unternommen, eine geeignete Form für eine Förderakte für alle Schüler/innen zu entwickeln, die dabei helfen kann, diese sehr verschiedenen Voraussetzungen, Vorgaben und Ansätze zu koordinieren. Es entstand eine Arbeitsgruppe, die ein vorläufiges Modell für diese Förderakte erstellte.
In einer Erprobungsrunde wurde daraufhin für jeweils zwei Schüler/innen aus jeder Klasse eine solche Förderakte geschrieben. Auf Grund der dabei gemachten Erfahrungen wurde die Grundform der Förderakte in einigen Punkten nochmals überarbeitet und verbessert. Im Schuljahr 2000/01 wird nun für alle Schüler/innen eine Förderakte erstellt.
Für die endgültige Form der Förderakte wurde dabei an unserer Schule die Bezeichnung „Interdisziplinärer Lernbegleiter“ gewählt. Diese Bezeichnung entstand aus folgenden Gründen: An SfK arbeiten verschiedene Berufsgruppen zusammen. Die Förderakte wird gemeinsam erstellt, in enger Zusammenarbeit von Therapeuten, Fachlehrern, Sonderschullehrern und Pflegekräften, viele Informationen bringen auch die Eltern in Gesprächen mit ein, wodurch eine interdisziplinäre Akte entsteht.
Der Begriff „Lernbegleiter“ soll deutlich machen, dass es sich nicht um die statische Erhebung von Schülerdaten oder die einmalige Festlegung von allgemeinen Lernzielen handelt, sondern dass diese Förderakte im Laufe des Schullebens mit dem Schüler „mit wächst“, sich verändert und diese immer wieder aktualisiert und bearbeitet wird.


Realisierung und Organisation des Interdisziplinären Lernbegleiters

Folgende Gruppen nehmen an der Erstellung der Förderakte teil:

  • Die Lehrkräfte, die in einer Klasse tätig sind (Sonderschullehrer, Fachlehrer). Sie sind in Absprache für die Festlegung der Bereiche, in denen Schwerpunkte gesetzt werden, zuständig. Bei ihnen liegt auch die Verantwortung für die Organisation der Teambesprechungen im Rahmen der Erstellung der Förderakte.
  • Die Krankengymnasten werden hauptsächlich bei allen Fragen, die sich in Bezug auf die Motorik und eine geeignete Hilfsmittelversorgung ergeben, mit einbezogen. Daneben geht es aber auch darum, Elemente aus der Krankengymnastik in sinnvoller Weise in den gesamten Unterricht zu integrieren. Das Gleiche gilt auch für die Ergotherapeuten in einer Klasse, die aber vor allem im Bereich der Wahrnehmung und deren Förderung mit einbezogen werden.
  • Einzelne Lehrkräfte sind nur mit Einzelstunden in einer Klasse vertreten. Dies gilt vor allem für Fächer wie Sport, Schwimmen, Werken oder Religion. Daher werden sie vor allem Beiträge zu den einzelnen Fächern mit einbringen. Deren Inhalte können dann aber auch besser mit dem übrigen Unterricht einer Klasse abgestimmt werden.
  • Die Eltern werden durch Einzelgespräche in die Erstellung der Förderakte mit einbezogen. Sie erhalten daneben auch die Möglichkeit, die Förderakte ihres Kindes jederzeit in der Schule einsehen zu können, wodurch die Arbeit des Klassenteams in der Förderung ihres Kindes für die Eltern wesentlich transparenter wird.

Die Arbeit am „interdisziplinären Lernbegleiter“ erfolgt zum Teil in gemeinsamen Teambesprechungen aller Mitarbeiter; daneben kann je nach Schwerpunkt, der gerade im Mittelpunkt steht, aber auch eine Kleingruppe oder ein Lehrer alleine an der Förderakte weiter arbeiten. Schon alleine aus zeitlichen Gründen können die Therapeuten und die Lehrer, die nur ein Fach in einer Klasse unterrichten, nicht an jeder Besprechung teilnehmen, da sie oft in vier oder fünf verschiedenen Klassen tätig sind.

Als Zusammenfassung lassen sich die an der Erstellung der Förderakte beteiligten Gruppen wie folgt darstellen:

Gliederung des Interdisziplinären Lernbegleiters

Der Lernbegleiter ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil ist ein informeller Teil, der, wie im folgenden näher beschrieben wird, verschiedene Daten, Rahmenbedingungen und Informationen zum Schüler enthält. Der zweite Teil bezieht sich auf die eigentliche Förderplanung mit der Erhebung der Lernausgangslage und dem sich daraus ergebenden Förderbedarf sowie konkreter Zielformulierung. Zusätzlich dazu enthält dieser Teil eine Beschreibung der Methoden, mit Hilfe derer die Zielsetzungen erreicht werden sollen und Raum für eine schriftliche Überprüfung dieser.

Zurück zum ersten Teil:
In diesen Teil werden die für den jeweiligen Schüler relevanten Informationen aufgenommen, die Seiten gliedern sich wie folgt:

Deckblatt
Name, Ein- und Umschulung
persönliche Daten hier werden Namen und Anschrift des Schülers sowie seiner Eltern und des Hausarztes vermerkt, jeweils mit aktueller Telefonnummer, um Rückfragen und Kontaktaufnahmen zu erleichtern
Diagnose an SfK ist die med. Diagnose eine wichtige Grundlage für die Therapie und die Erstellung der Lernausgangslage, v.a. im motorischen Bereich
Anfälle um Verzögerungen und Unklarheiten bei Schülern mit epileptischen Anfällen zu vermeiden, werden auf dieser Seite alle wichtigen Informationen (Anfallsart, -bild, -dauer, Akut- und Dauermedikation, Benachrichtigung der Eltern / des Arztes...) vermerkt
Sport / Schwimmen... dieses Blatt bezieht sich auf erlaubte / nicht erlaubte Sportarten und enthält Hinweise auf Behinderten- und Notfallausweis
Hilfsmittelversorgung hier wird in tabellarischer Form festgehalten, über welche Hilfsmittel (Rollstuhl, Schienen, Innenschuhe, Fahrrad...) der Schüler verfügt, außerdem wird hier vermerkt, welche Hilfsmittel in der Schule bzw. Zuhause sind, durch wen sie wann verordnet wurden und welche Orthopädiefirma sie hergestellt bzw. geliefert hat
Schullaufbahn ebenfalls in tabellarischer Form wird hier der schulische Werdegang des Schülers eingetragen
Team in tabellarischer Form wird eingetragen, welche Lehrerin, Krankengymnastin, Ergotherapeutin, Pflegekräfte und zusätzliche Lehrkräfte in der entsprechenden Klasse tätig waren und sind, um schnelle Rückfragen zu ermöglichen

Dieser Teil des Lernbegleiters ersetzt in keinem Fall die gängige Schülerakte, soll aber z.B. bei der Übergabe einer Klasse die möglichst unkomplizierte Weitergabe der wichtigsten Informationen gewährleisten und ist einfach praktisch, um ohne langwierige „Nachforschungen“ ein umfassendes Bild des Schülers und der jeweiligen Rahmenbedingungen zu liefern. Diese Daten werden in der Regel einmalig erstellt und dann laufend aktualisiert.

Der zweite Teil, also die „eigentliche Förderakte“ ist wie folgt aufgebaut:

Beiblatt zu den Themenbereichen siehe Anhang (leider nicht verfügbar); Auf diesem Blatt sind die wesentlichen Themenbereiche des Lernbegleiters aufgeführt, aus denen zunächst die Erhebung des aktuellen Entwicklungsstandes und danach die konkrete Zielformulierung hervor gehen.
Themenbereiche des Lernbegleiters siehe Anhang (leider nicht verfügbar); Die Themenbereiche sind hier unterteilt, um für den Schüler relevante Teilbereiche besser definieren zu können.
Kurzbeschreibung des Schülers Dieses Blatt soll eine kurze, prägnante Beschreibung des Schülers liefern, die auf besondere Stärken, Auffälligkeiten oder Probleme aufmerksam macht.
Aktueller Entwicklungsstand Aus den Themenbereichen werden zu Beginn in der Regel drei herausgegriffen und der aktuelle Entwicklungsstand dazu beschrieben. Diese Erhebung der Lernausgangslage in diesen Bereichen bildet die Grundlage für die Zielformulierung. Diese Erhebung soll möglichst präzise, knapp und auf den jeweiligen Themenbereich abgestimmt sein, um auch nach mehreren Jahren noch eine gewisse „Lesbarkeit“ zu erhalten.Aus der Erhebung des aktuellen Entwicklungsstandes ergibt sich der Förderbedarf mit der konkreten Zielformulierung.
Formblatt zum Eintragen der Zielsetzungen und Methoden siehe Anlage (leider nicht verfügbar); Hier wird der Themenbereich mit entsprechendem Teilbereich eingetragen und das jeweilige Ziel formuliert. Überdies wird die Methodik, mit der dieses Ziel erreicht werden soll, beschrieben. Nach einem vorher vom Team abgesprochenen Zeitraum (ca. 2-3 Monate) wird überprüft, ob dieses Ziel erreicht wurde. Das Ziel kann nun entweder nochmals in Teilziele unterteilt werden, als erreicht erachtet werden oder aber es wird festgestellt, dass sich das Ziel mit dieser Methodik nicht verwirklichen

Fazit

Die Einführung des interdisziplinären Lernbegleiters wurde im Kollegium sehr konträr diskutiert. Der nicht unerhebliche Arbeitsaufwand, der vor allem zu Beginn zu bewältigen ist, steht den Vorteilen, die die Erstellung einer solchen Akte mit sich bringt, gegenüber. Der gesamte erste Teil wird einmalig erstellt und muss später nur geringfügig ergänzt werden. Der Nutzen, der sich daraus bei der Übernahme einer neuen Klasse ergibt, liegt jedoch deutlich auf der Hand.
Der zweite Teil wird vom gesamten Team erarbeitet und am Schuljahresende vom Klassenlehrer in die entsprechende Form gebracht. Zur Arbeitserleichterung stehen Disketten mit Formularvorgaben zur Verfügung.
Aus unserer bisherigen Erfahrung mit dem Lernbegleiter lässt sich feststellen, dass die Teamarbeit eine andere Qualität erhält, wenn man sich interdisziplinär mit konkreten Zielsetzungen für einen Schüler auseinandersetzt. Die Möglichkeit, auch rückblickend auf erreichte Ziele und die entsprechende Methodik schauen zu können, kann immer wiederkehrende, nicht wirksame Methoden vermeiden helfen.
Diese Form der Dokumentation der Arbeit mit dem Schüler ermöglicht darüber hinaus, dass eine individuelle Planung für jeden Schüler erstellt wird, die es den Eltern ermöglicht, sich einen Einblick zu verschaffen, wie und wodurch ihr Kind in der Schule gefördert wird.
Die Förderakte wird an Schulen für Körperbehinderte mit ihrer heterogenen Schülerschaft immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die Tendenz, eine solche Akte zu erstellen nimmt allgemein zu und wird in den nächsten Jahren auch von Seiten des Kultusministeriums und indirekt auch von der interessierten Öffentlichkeit gewünscht werden.
Mit der Förderakte lässt sich eine Transparenz und gleichzeitig eine Legitimierung unserer alltäglichen Arbeit erreichen, aus der alle Beteiligten einen nicht unerheblichen Nutzen ziehen können.

Wenn Sie weitere Fragen zum Thema „Interdisziplinärer Lernbegleiter“ haben wenden Sie sich bitte an:
Martin Schick / Petra Wurdak,
Friedrich - v. - Bodelschwingh - Schule, Böfinger Steige 20, 89075 Ulm

Download der Word-Datei als foerderplan.zip
 
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