Auf der Suche nach Verstehen und Verständigung:
Elemente der Kommunikationsförderung im Unterricht mit
Schülern mit schweren Mehrfachbehinderungen
Michael
Rehberger
An meinem Unterricht als Sonderschullehrer an einer Schule
für Geistig- und Körperbehinderte in einer Fördergruppe
für Schüler mit schweren Mehrfachbehinderungen nimmt
auch der 14- jährige Matthias teil. Eine Tetraplegie
mit schlaffem Tonus hindert Matthias daran, seine Gliedmaßen
zielgerichtet zu bewegen. Seine Gelenke sind durch Kontrakturen
gefährdet. Matthias hat starke epileptische Anfälle,
die mehrfach täglich auftreten können. Medikamentös
sind diese bisher nicht genügend einzustellen. Die Ernährung
erfolgt teilweise über eine Magensonde. Matthias leidet
an einer chronischen Infektion der Atemwege. Während
des Schultages benötigt er häufig Ruhephasen, vor
allem nach seinen Anfällen. Matthias liegt in Rückenlage
in einer Liegeschale oder auf einer sich dem Körper anpassenden
Liegeinsel. Sein Bewusstsein und seine Aufmerksamkeit richten
sich nach meiner Interpretation - stark an körperinternen
Vorgängen aus. Seine Gerichtetheit auf Umwelt und Personen
ist in körpernahen und dialogischen Situationen für
bestimmte Zeitphasen möglich (gemessen an seinen Reaktionen).
Zu Beginn unserer Beziehung fand ich nur wenige Anknüpfungspunkte,
um eine Verständigung oder einen Dialog aufzubauen. Anscheinend
bzw. für mich nicht sichtbar suchte Matthias keine Kontaktaufnahme
mit Dingen oder Personen seiner Umwelt. Er lag ruhig, manchmal
weinerlich. Wie kann ich ihn verstehen? Wie können wir
uns verständigen?
Wenn FRÖHLICH (1991,156) in den Mittelpunkt einer ganzheitlichen
Entwicklungsförderung das Thema Kommunikation stellt,
bedarf es Überlegungen, zunächst eigene Sichtweisen
und Zugehensweisen abzuklären.
Nach dem Verständnis gefragt:
Mein Verständnis von Kommunikation richtet sich zunächst
am WATZLAWICKschen Axiom ( 1990) Man kann nicht nicht
kommunizieren aus. Nach ADAM (1996,125) ist Kommunikation
im engeren Sinn nur mit Hilfe eines Symbolsystems möglich
....Als Sonderschullehrerin genügt es mir aber nicht,
dass das Verhalten von Schülerinnen und Schülern
als Mitteilung verstanden werden kann. Das Kind soll nicht
darauf angewiesen bleiben, dass andere die richtige Frage
stellen. Diese Hypothese von ADAM leitet zielgerecht
auf die Ansätze der Unterstützten Kommunikation
(vergl. ADAM 1996) und der Gestützten Kommunikation (vergl.
NAGY 1996). Durch Gesten, Mimik, Gebärden und weiteren
körpersprachlichen Zeichen sollen nach der Unterstützten
Kommunikation Botschaften vom Sender zum Empfänger übermittelt
werden. Die Gestützte Kommunikation versucht über
Deuten und Tippen auf Kommunikationsmittel Kommunikationshilfen
zu schaffen.
Würde dieser eingeschlagene Weg Matthias und mir nützen
? Benötigen wir nur die geeigneten Kommunikationssysteme
und Hilfsmittel ? Wie können wir lernen, uns zu verstehen?
Wie können wir lernen, uns zu verständigen ?
HETTINGER (1996, 173ff) verweist auf die Theorien von PIAGET
und BATES und kommt zu dem Schluss, Voraussetzung der
semiotischen Funktion ist die innere Vorstellung, die sich
nach PIAGET im Bereich der Nachahmung von der unmittelbaren
Nachahmung ...über die aufgeschobene zu einer motorisch
verkürzten Nachahmung entwickelt, bei der die Bewegungen
nur angedeutet werden ...am Ende dieser Entwicklungslinie
steht das innere Vorstellungsbild, das zeitlich und räumlich
von der aktuellen Wirklichkeit unabhängig geworden ist.
Nach meinem Verständnis suche ich bei einem In-Beziehung-Treten
und auf der Suche nach Verständigung bei meinem Schüler
Matthias nach DREHER (1991,63) den Weg über eine basale
Körperorientierung, der Körper bildet hier
die Basis der Kontaktaufnahme, des Zugangs zur Welt bzw. dessen
Vermeidung.
Mein Schüler Matthias und ich unterscheiden uns auch
dadurch, dass für Matthias Welt und der Austausch in
ihr weniger durch Zeichen und Zeichensysteme (vergl. ADAM)
bezeichenbar ist wie ich dies für mich in Anspruch
nehme eher interpretiere ich seine Welt als sensomotorische.
Mit MALL (1996) sollten Sensomotorische Lebensweisen:
wie erleben Menschen mit geistiger Behinderung sich und ihre
Umwelt? für eine Kontaktanbahnung und eine Verständigung
bedacht werden.
FORNEFELD (1991,124ff) verweist darauf ...daß
Kinder auf sehr vielfältige, aber individuelle Weise
mit ihrer Umwelt in Beziehung treten, Lachen, Schreien, Körperkontakt
oder provozierte epileptische Anfälle sind ... Beziehungsformen,
die auf den Lehrer z.T. fremd und unverständlich wirken...
Divergente, verunsichernde Verhaltensweisen ...müssen
als leibhafter Ausdruck und als Appell oder Anruf an die Umgebung,
als Wunsch bei den Anderen und den Dingen zu sein,
verstanden werden. LEYENDECKER (1997) sieht in sensorischen
Anregungen und im körpernahen Dialogaufbau Einstieg und
Aufbaumöglichkeiten für Formen der Verständigung.
FIKAR/FIKAR (1992) legen eine weite Palette an Möglichkeiten
zur Körperarbeit offen.
Es stellt sich zunächst die Frage: lässt der Schüler,
die Schülerin Körperkontakt zu, wünscht diesen
sogar? Manche Schüler reagieren mit Abwehr. Dann wäre
kritisch zu bilanzieren, ob Körperkontakt eine geeignete
Form der Annäherung darstellt.
Formen der Aufnahme und der Erhaltung
von Körperkontakt:
In der Beziehung von Matthias und mir war ich es, der
die Initiative ergriff: ich nahm Matthias hoch, wiegte ihn,
trug ihn und verhalf ihm zu anderen Raum- Lage- Positionen.
Es entstand dabei ein enger Körperkontakt, indem ich
Reaktionen von Matthias erspüren konnte. Ich spürte
seinen Atem, fühlte seine Haut, nahm seinen Körpergeruch
wahr, spürte Tonusunterschiede im Oberkörper, besonders
am Rücken. In den Momenten, in denen eine Kollegin den
Unterricht führte, spürte ich ab und zu körperliche
Reaktionen bei Matthias. Allmählich wurde ich ein bescheidener
Übersetzer. Ich meinte feststellen zu können, ob
Matthias durch eine Aktion, durch ein Bewegungs- oder Wahrnehmungsangebot
von Dingen, Reizen oder Personen beeindruckt war.
Die Interpretation der Reaktionen war, außer bei extremen
Ablehnungen oder starker Freude, schwierig bzw. vielfältig.
Ich dachte, durch den Körperkontakt würde auch Matthias
meine Spannung, Wärme, meinen Atem, mein Schwitzen, Puls
spüren.
Im Unterricht kommen häufig
folgende Formen des Körperkontaktes vor:
- Körperliche
Nähe bei Heben und Tragen der Schüler
- Körperkontakt
beim Halten, beim Helfen der Einnahme von Raum- Lage- Positionen,
beim gehaltenen Sitzen, Stehen und Gehen
- Berührungen
am ganzen Körper: Streicheln und Massieren bestimmter
Körperteile wie Rücken, Brust, Hals, Schläfen,
Gesicht, Haare, Arme und Hände, Beine und Füße
- Berührungen
an bestimmten Punkten und Flächen des Körpers:
bestimmte Körperteile berühren, auch kitzeln,
leichtes Klopfen, feste Berührungen, Halten und Festhalten,
Loslassen.
Beide Partner, Schüler und Lehrer, entscheiden, wie
eng und vertraut die körperliche Nähe sein kann.
Die Wahrung der Intimsphäre, einer dem Lebensalter angepasste
Distanz und das Prinzip der abnehmenden Hilfen sollte Beachtung
finden.
Hinweise auf eine mögliche
körperliche Reaktion oder Aktion:
In der unterrichtlichen Arbeit mit Matthias versuchte
ich, auf reaktive Antworten bei meinem Schüler zu hören.
Tatsächlich reagierte er körperlich (Muskeltonus,
Rumpfbewegung, Kopfbewegung, Kopfhaltung, Augenbewegung, Hautfärbung,...)
auf im Unterricht angebotene Bewegungs- und Wahrnehmungssituationen.
Kitzelspiele schien er zu mögen und beim Wiegen und Tragen
seufzte oder juchzte er manchmal.
Ich begann, Partner- und Handlungsangebote zu initiieren und
wieder einzustellen, um auf eine Reaktion meines Partners
zu warten. Auch manche körperlichen Aktionen von Matthias
interpretierte ich als Aufforderung oder Appell, mit der unterbrochenen
Handlung fortzufahren. Über unsere Beziehung schien sich
eine spezifische Dialogform zu entwickeln, die jedes Mal etwas
anders war, jedoch eine typische Verlaufsform aufwies: gleicher
Anfang und ein bestimmtes Ende über Streicheln und berühren-
Inhalte der Unterrichtseinheiten werden angeboten- Warten
auf Reaktionen Versuch des wechselseitigen Agierens/Reagierens
Abschluß der Sequenz durch Berührungen. Vieles
lief schon ritualisiert ab, besonders Anfang und Ende einer
gemeinsamen Handlung.
Wichtig ist, über körperlichen Kontakt in eine
Beziehung zu treten. Dabei stehen sich beide Leiblichkeiten
(vergl. DREHER) trotz unterschiedlicher Entwicklungsstufen-
in ihren Körpern gegenüber.
Die Zeit der Beziehung, einer dyadischen Beziehung, beansprucht
den ganzen Menschen. Dies gilt auch für die zeitlich
begrenzte Schüler-Lehrer bzw. Schüler- Schüler-Beziehung.
Sie ist für beide Partner einzigartig und beansprucht
ausschließliche gegenseitige Annahme und volle Konzentration.
Beziehung ist mehr als die gleichzeitige Anwesenheit in einem
Lern- oder Unterrichtsarrangement.
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Hinweise auf mögliche
körperliche Reaktionen können liefern:
- Atmung:
Frequenz, Brustatmung- Bauchatmung, Wechsel der Atmung
- Pulsschlag
- Augenbewegungen:
Schließen und Öffnen der Augen, Pupille,
Bewegungen
- Blick:
Blickverlauf (hin und her, abwechselnd, ausgerichtet)
- Blickkontakt
- Tonus
der Muskulatur: Anspannung, Entspannung, Verkrampfung,
Muster
- Färbung
und Verfärbung der Haut
- Körpertemperatur
an der Hautoberfläche
- Duft-
und Geruchsentwicklung des Körpers
- Schweißentwicklung
des Körpers
- Bewegungszustand
im Moment der Beziehung
- Bewegungsansätze
im Moment der Beziehung: sich zuwenden, sich abwenden,
wegdrehen zuwenden des Kopfes, des Körpers,
der Arme, der Beine
- Drehbewegungen
des Kopfes, des Oberkörpers, des Körpers,
der Gliedmaßen
- Körperlicher
Rückzug: Zusammensinken, sich einrollen, Arme
zurücknehmen
- Greifbewegungen
- Mundbewegungen
und Mundtätigkeiten: Schmatzen, Blasen, Lippenspiel,
Saugen, Brummen, Lautieren, Zungentätigkeiten,
...
|
(Rahmenübersichten zum Teil aus FÖRDERUNG VON
SCHÜLERINNEN UND SCHÜLERN MIT SCHWEREN MEHRFACHBEHINDERUNGEN,
Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden- Württemberg,
1999, 149 ff)
Dialog als erster Schritt zur Verständigung
Kathrin liegt in Bauchlage im Liegekeil, Arme und Hände
hängen nach unten, die Hände berühren den Boden.
Kathrin muss sich Mühe geben, den Kopf gerade zu halten.
Der Lehrer liegt in einer ähnlichen Position ihr gegenüber.
Der Lehrer begrüßt Kathrin, hält sie an den
Oberarmen, versucht, einen Blickkontakt aufzubauen, streichelt
ihre Wange. Kathrin streckt ihren Kopf nach vorn, versucht,
ihre Arme hoch zunehmen, bewegt Hände und Finger. Kathrin
schaut mit geöffnetem Mund zum Lehrer. Hallo Katrin
spricht der Lehrer, heute wollen wir mmh- Trinken
machen. Der Lehrer begleitet sprechend Handlungen und
fügt lautmalerische Elemente (mmh- oi- gut- auau..)
ein.
Kathrin und der Lehrer pressen gemeinsam Orangensaft mit einer
Motorpresse, die zwischen beiden steht. Diese Tätigkeit
scheint Kathrin zu interessieren und gefallen. Die eher schlaffe
Tetraplegie ermöglicht noch wenig gezieltes Greifen und
Bewegen von Armen und Händen. Der Lehrer legt zunächst
Kathrins und seine Hand auf eine Orangenhälfte und die
Presse. Ab einem bestimmten Auflagedruck setzt sich die Presse
in Bewegung. Die vibratorische Stimulation, das Geräusch
und vielleicht auch die Orangen und ihr Saft scheinen Kathrin
zu gefallen. Sie speichelt sehr stark, bewegt den Kopf hin
und her, stößt grelle Laute aus. Darauf beginnt
der Lehrer ebenfalls (s.o.) lautmalerisch zu rufen. Nach einigen
Sekunden lässt der Lehrer die Hand Kathrins los. Kathrin
kann zunächst nicht genügend Druck aufbringen, die
Presse bleibt stehen. Kathrin schiebt ihre Hände auf
dem Boden hin und her, die Presse fällt um und eine Orangenhälfte
rollt zur Seite. Kathrin wartet ab. Der Lehrer wartet ab.
Kathrin bewegt ihre Arme und Hände in Richtung zum Lehrer-
was sie selten tut, da es für sie bewegungstechnisch
sehr schwierig ist. Der Lehrer interpretiert dies als Signal
ich möchte die Handlung fortsetzen und legt
Kathrins Hand wieder mit Unterstützung auf die Presse.
Ein Hin- und Her, ein Auffordern und Mitmachen entsteht. Einige
Male gelingt es Kathrin, ohne Hilfe des Lehrers die Presse
einige Sekunden zum Laufen zu bringen. Dann schaut sie zur
Seite, bewegt Arme und Hände hin und her und stöhnt.
Einige Male ist es geglückt, dass Kathrin die Hand des
Lehrers erfasst und festhält. Sie führt die Hand
(Interpretation des Lehrers) zur Presse. Der Lehrer agiert
nun umgekehrt seine Hand ist unten und Kathrins oben.
Nach vielen geglückten und auch einigen missglückten
Versuchen scheint Kathrin müde zu werden und nicht mehr
weiterarbeiten zu wollen.
Sie lässt den Kopf sinken und beginnt zu wimmern, hebt
den Kopf wieder an und schaut zum Lehrer. Dieser erkennt dies
wieder als Signal und beendet die Sequenz. Wieder im Rollstuhl
sitzend probiert Kathrin Orangensaft, wieder beginnt ein Dialog...
Die Beziehungsaufnahme und das Festhalten-Können an
einer tragfähigen Beziehung liefert eine günstige
Basis für den Aufbau und die Aufrechterhaltung eines
Dialoges mit dem Ziel eines wechselseitigen Austausches. In
Erinnerung an Rene A. SPITZ (Vom Dialog) hat ein Dialog weit
mehr Qualitäten als ein einfaches Kommunikationsmodell,
in dem Sender und Empfänger über Kanäle Informationen
versenden. SPITZ betonte besonders die Beziehungskomponente
neben der Übermittlung einer Botschaft.
Der Dialog kann über den gesamten somatischen Bereich
(somatischer Dialog, vergl. FRÖHLICH,1991), über
die Bewegung (psychomotorischer Dialog) und die Wahrnehmung
(sensorischer Dialog) geführt werden.
In dieser Interaktion, diesem Dialog ist zum einen die Beziehung
der beiden Partner zu erkennen. Sie arbeiten gemeinsam, kennen
sich, akzeptieren diese Form. Über die Situation, die
Berührung, die Bewegung und Wahrnehmung, das gemeinsame
Erleben im Hier und Jetzt könnten möglicherweise
Botschaften ohne Sprache, ohne klare Gesten, ohne Zeigesysteme,
ohne semiotisches System - übermittelt werden.
Für Kathrin und den Lehrer kann dies folgende dialogische
Bedeutung in dieser besonderen Unterrichtssituation haben:
- wir
begrüßen uns wie immer: Beginn einer gemeinsamen
Handlung (Initial)
- ich
möchte etwas tun, ich möchte etwas haben (Eigenaktiver
Impuls)
- es
gefällt mir es gefällt mit nicht (Bewertung)
- hilf
mir, ich brauche Unterstützung (Bitte, Appell)
- ich
mache es selbst, ich kann es selbst (Selbsttätigkeit)
- ich
kann nicht mehr, ich bin erschöpft (Appell)
- Du
kannst weitermachen (Übergabe an den Partner)
Allgemeine Merkmale einer dialogischen
Beziehung und Handlung sind beispielsweise:
- Anfang
und Ende, die zeitliche Dauer, Rhythmus und Unterbrechung
- Wechselseitiges
Agieren und Reagieren beider Partner in unterschiedlichen
Rhythmen und Verlaufsformen (Ping-pong, stop-and-go,
helfen-loslassen,...)
- Wiederkehrende
Aktionen und Reaktionen werden zunehmend als solche
erkannt, wiedererkannt und angewendet.
- Aktionen
und Reaktionen haben eine Bedeutung: Interpretation,
Erfahrung und Wiederholung unterlegen eine Bedeutung.
- Das
Wechselspiel von beiden Partnern als Aktion und Reaktion
entwickelt sich zu einem bestimmten Verlauf, zu einer
spezifischen Folge; Intensität, Rhythmus, Unterbrechung,
Wiederaufnahme verweisen auf einen einmaligen und
typischen Spannungsbogen.
- Der
Dialog gewinnt an Echtheit und Zuverlässigkeit
für beide Partner.
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Die gemeinsamen Aktivitäten, eingebettet in die dialogische
Beziehungsform, gründen auf einer Leiblichkeit, die den
ganzen Körper, alle Sinne und die Bewegung als Ausgang
nimmt. Beide Partner, Schüler und Lehrer (Schüler
und Schüler), arbeiten zusammen, sie erforschen, genießen,
nehmen wahr und erkennen Welt mit ihren Körpern, Sinnen
und durch Bewegung. Das gemeinsame Handeln hat einen Sinn
und eine soziale Bedeutung. Das Eingebundensein in ein Hier
und Jetzt der Gegenwart bildet hierfür den Kontext, den
Bezugsrahmen.
Die Zusammenarbeit bezieht sich auf viele Situationen und
Anlässe im Schultag, sie sind eingebunden in soziale
Handlungsfelder und verfolgen dabei die Aktivität, die
Mitgestaltung und die Entscheidung des Einzelnen.
Beispiele dialogischer Handlungsfelder
im Schulalltag:
- Aus-
und Ankleiden
- Mahlzeiten:
Trinken und Essen
- Hygiene,
Körperpflege und Körperkultur
- Aktivität
und Teilhabe an bestimmten Momenten im Unterricht
- Bei
der Annäherung, der Kontaktaufnahme zu Personen
und Objekten
- Hilfen
und Unterstützung bei Bewegungen
- Hilfen
und Unterstützung bei der Einnahme von Raum-Lage-Positionen
- Aufbereiten
eines sensomotorischen Handlungsfeldes
- Angebot
von Entscheidungs- und Mitentscheidungsmöglichkeiten
|
Mit Körpersprache, Mimik und
Lautgebung sich ausdrücken und verstanden werden
Am Unterrichtsbeispiel mit Kathrin wird deutlich, wie Körperkontakt,
Körpersprache, Bewegung und Lautierungen ineinander greifen.
Laute und Lautgruppen bzw. Vokalisationsgruppen werden von
beiden Partnern eingesetzt. Schülerinnen und Schüler
nutzen die ihnen mögliche Lautierungsform, oft beginnend
über lautliche Begleitung ihrer Empfindungen wie Freude
und Zufriedenheit (lachen, gurren, quietschen, Schreie ausstoßen,...)
oder ihr Empfinden nach Ablehnung, Abwehr, Schmerz und Wut
(weinen, weinerlich rufen, schreien, seufzen, ...). Allmählich
kann die Lautierung in die dialogische Situation eingebunden
werden. Die Laute beziehen sich auf gemeinsame Handlungen
oder Interaktionen im Dialog. Bereits vor Jahren machten PAPOUSEK/PAPOUSEK
(1981, 229ff) auf den baby talk als Erwiderung
der Eltern auf das Kommunikationsangebot ihres Neugeborenen
oder Kleinkindes aufmerksam. Begreift man Lautieren und die
Produktion von Vokalgruppen als basale Sprechäußerungen,
so hat der Lehrer die Möglichkeit, die Äußerungen
der Schülerin oder des Schülers aufzugreifen, im
Dialog zu verwenden und ähnliche Sprechäußerungen
zu gebrauchen.
ROTTER, KANE, GALLE (1992, 303ff) verweisen auf die Entwicklung
früher Kommunikation und auf den Beginn des Sprechens.
Anlass, Inhalt und Bedeutung so wie Ergebnis stehen als wesentliche
Elemente einer basalen Kommunikation im Mittelpunkt. Die Autoren
verweisen auf den Ausgangspunkt Entwicklungsstand des Schülers,
des Kindes. Wichtig erscheint die kommunikative Situation,
um als Anlass und als Inhalt einer Äußerung direkten
Bezug liefern zu können. Allmählich wird den Äußerungen
Bedeutung und eine reaktive Handlung zugeordnet.
Nach ROTTER, KANE, GALLE sind folgende Inhalts- und Bedeutungsfelder
kommunikativer Äußerungen wiederkehrend in der
basalen Kommunikation festzustellen:
- Ausdruck
von Gefühlen und Stimmungen
- Verlangen
von Aufmerksamkeit und Zuwendung für sich
- Verlangen
nach Hilfe
- Ausdruck
von Protest
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Kenntnisse über die Schülerinnen und Schüler,
Informationen von den Eltern und die gemeinsame Erfahrung
von Lehrer und Schüler im Dialog liefern zusätzliche
Hinweise für eine Interpretation der Informationen aus
Körperkontakt, Körpersprache, Mimik und Lautgebung.
Laute produzieren: kommunikative
Sprechelemente
Bili, ein 17 jähriger Junge, ist anläßlich
der Geburtstagsfeier eines Mitschülers am Tisch der aufgebauten
Getränke angekommen. Die Lehrerin bietet ihm Fanta oder
Cola an, Bili soll sich für ein Getränk entscheiden,
wenn er etwas davon möchte. Bili sieht die Flaschen,
probiert mit einem Löffel beide Getränke. Die Lehrerin
probiert auch beide Getränke.
Die Lehrerin:
M,m, Fanta, aa,mm / m,m, Cola, to, mm . Bili
ruft: he, he,he und zeigt bzw. greift nach der
Colaflasche. Der Dialog setzt sich fort, mehrmals bietet die
Lehrerin ihre Muster an und möchte von Bili ähnliche
Lautierungen produziert haben. Schließlich ist das Bemühen
der Lehrerin erfolgreich, Bili ruft: mm, he, o,to
. Die Lehrerin greift dies auf, beide trinken dann ein Glas
Cola.
Der Schüler Bili verfügt über die Möglichkeit,
einige Laute als Vokale und Konsonanten sprechend zu produzieren.
Eingebaut in kommunikative Situationen bietet die Lautproduktion
ein weiteres kommunikatives Element, sich verständlich
zu machen und verstanden zu werden. In dem Beispiel bemüht
sich die Lehrerin, diejenigen Laute dem Schüler Bili
anzubieten, die er bereits beherrscht und angewandt hat (ausgenommen
die Worte Fanta und Cola). Im Sprechdialog können Schüler
und Lehrerin Lautierungen austauschen.
Die individuellen Möglichkeiten zur Lautproduktion bei
Schülern mit schweren Mehrfachbehinderungen sind abhängig
von sehr unterschiedlichen Bedingungen und Voraussetzungen.
Jeder Schüler, jede Schülerin, erreicht ein individuelles
Repertoire an Lautierungsmöglichkeiten.
Im Unterricht ergeben sich Situationen für:
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Übungsmöglichkeiten:
- Mund
öffnen und schließen, mit dem Mund Geräusche
produzieren lernen, schmatzen, Zungenbewegungen ausführen,
Zähne reiben, Backen aufblasen, Kieferbewegungen
beim Essen, Atmen und Lautieren mit Atemübungen
- Lippen
bewegen, Geräusche durch Mundschluß und
Lippenbewegung erzeugen können,
- Lippen
gezielt einsetzen z.B. beim Schlecken und Abschlecken
- Saugbewegung
zur Lautproduktion nutzen
- Blasebewegungen
und Seufzen, auch mit Lauten kombinieren
- Vokale
und Vokalketten produzieren
- Kurze
Vokal-Konsonanten-Einheiten ( amam essen...)
bilden
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Mittels Lauten, Vokalfolgen
oder Wortfragmenten kleine Sprechdialoge führen:
- Lautäußerungen
nutzen und diese in dialogische Kommunikationsformen
einbauen.
- Beide
Partner verständigen sich durch Laute und Vokalfolgen:
vor- und nachmachen, hin- und hersprechen/ lautieren,
aufgreifen von bekannten Mustern und Ketten an Lauten,
Verdoppelung und Reihung von Lauten (z.B. oooh/
aaa / mmm/mamamam).
- Vokalisationsketten
(z.B. e aa ihi aus der Situation: /ich
möchte auch trinken/) nutzen, unterschiedliche
Laute im Bedeutungszusammenhang aneinandersetzen.
- Babytalk-
und Lautmalangebote : Lehrer : Martin, möchtest
Du auch Joghurt essen? er greift das dem Schüler
bekannte Muster hm,hm (zeigt ein Joghurt),
am am (zeigt einen Löffel)? Martin könnte
im Beispiel antworten: hm ii (ich) ä ä
(nein)!(Bedeutung: Nein danke, ich mag nichts
davon essen!)
- Laute
und Vokalfolgen sind oft nur im direkten Bezug zu
Handlungen, zu anwesenden Personen und Dingen im Verweis
auf diese einzusetzen, um eine intersubjektive Interpretation
zu erhalten.
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Vokalisationsäußerungen
in Verbindung mit Körperbewegung und Gesten:
- Aa
, ä/ e, he/ o, oho/ ei ei/ oi oi oi / ui/ eh/
ja/ aa / ii/ igit/ bss/ bst/ uu / rrr / tt/ ...
- Bei
Bewegungen wie beim Drehen im Kreis, einer Körperrotation
auf einer Matte, bei Bewegungen des Kopfes, der Arme
oder Beine können der Bewegung lautmalerisch
Laute unterlegt werden. (Beispiel uiuiui
für Drehen, oooho für Zeigen,
...)
- Umgekehrt
können beim Lautieren Bewegungen durchgeführt
werden.
- Wahrnehmungseindrücken
(taktil- somatische Wahrnehmung, Gleichgewicht, Lage
im Raum, auditiv- gustatorisch- olfaktorisch- visuell
... ) kann in gleicher Weise eine bestimmte Lautierung
oder Vokalisationsäußerung zugeordnet werden.
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Übungsformen beim Essen und Trinken, Blaseübungen,
Geschmacksproben und viele alltägliche Situationen tragen
dazu bei, mit Mund und Stimme zu arbeiten und dabei Laute
zu produzieren. Schülerinnen und Schüler entwickeln
persönliche Muster. Diese Muster können in weiteren
Situationen aufgegriffen und dem Schüler, der Schülerin,
stimmlich verändert präsentiert werden.
In verschiedenen Unterrichtssituationen haben wir uns bemüht,
Laute und Bewegungen zu bestimmten Bedeutungsunterlegungen
zusammenzufassen:
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Laute und Bewegungen koordinieren
und kombinieren:
Ja
ich möchte"
- Beim
Körperkontakt Essen und Trinken
Wunsch nach Objekten und Handlungen
- Lautierung
zusammen mit Blickkontakt, dem Körper der Person/dem
Ding zuwenden
- Lautierung
zusammen mit Körperzuwendung
- Lautierung
zusammen mit Streck- und Greifbewegung
- Lautierung
zusammen mit Zuwendung des Kopfes
Nein ich möchte nicht
- Laute
der Ablehnung zusammen mit Wegdrehen des Kopfes, des
Körpers
- Laute
der Ablehnung mit Beendigung des Blickkontaktes
- Laute
der Ablehnung mit Zurücknehmen des Armes, der
Hand, des Beines
- Laute
der Ablehnung mit Fallenlassen, Wegwerfen, wegschieben,...
von Dingen
Ich bin müde ich kann nicht mehr
ich will nicht mehr
- Gähnen,
brummen, rufen und schreien in verschiedenen Tonlagen,
Lautieren zusammen mit Augenschließen, Beenden
von körperlichen Tätigkeiten, zusammen mit
Wegdrehen des Kopfes, des Körpers, Abnahme des
Tonus, körperlicher Ermüdun
Ich möchte mitmachen- ich bin bereit-
möchte an die Reihe kommen
- Rufen,
Blickkontakt suchen, Vokale und Vokalketten äußern,
schreien, körperlich sich dem Partner zuwenden,
Bewegungen mit Armen, mit Beinen oder Handbewegungen
ausführen, z..B. Arme entgegenstrecken, sich
der Handlung oder der Person öffnen,...
Ich möchte etwas zeigen- auf etwas hinweisen
- Laute
und Zeigegeste in Richtung des Zeigeinhaltes: der
eigene Körper, Dinge und Personen, dem Partner
Dinge oder Personen zeigen und lautieren
- Sich
den Dingen und Personen zuwenden
- Dinge
halten, Personen berühren und lautieren, zeigen,
Blick und Berührung sind auf unterschiedliche
Personen oder Dinge gerichtet.
Ich kommentiere eine Situation oder eine Handlung
- Durch
Laute und Mimik und Körperbewegung ( Sing-sang,
lautliche Wiederholungen, lächeln, lachen, freudiges
Schreien, Quietschen,...) als angenehm, schön,
gefällt kommentieren.
- Durch
Laute und Mimik und Körperbewegung (Schreien,
Abwenden, wegwerfen, brummen, weinen, greinen,..)
als schlecht- mag ich nicht- gefällt nicht
kommentieren.
- Mit
Lauten und Mimik wie Körperbewegung etwas als
langweilig, nicht interessant, ich möchte
etwas anderes kommentieren: nörgeln, sich
desinteressiert zeigen, unterbrechen, stören,
ablehnen.
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Die Art und Weise des Lautierens, des Sprechens, vermittelt
weitere Informationen.
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Die parasprachliche Aussage
der menschlichen Stimme erkennen und deuten
- Den
Lauten, Vokalisationsgruppen oder einfachen Texten
(Worten) sind bei der Aussprache bestimmte persönliche
Eigenschaften der Sprechenden und bestimmte Intentionen
zugeordnet.
- Über
diese Erkennungsmelodie identifiziert
der Schüler den Sprechenden als Person und lernt,
durch Betonung, Timbre der Stimme, Deutlichkeit und
Lautstärke dem Gesagten eine Bedeutung und einen
Appell beizumessen:
Sprachklang (hell, dunkel, klar, dumpf, ...) , Entfernung
der akustischen Quelle im Raum, das Timbre der Stimme
(persönliche Stimmeigenschaften), Lautstärke,
Tonhöhe, Dynamik (lauter und leiser werdend,
höher-tiefer... werdend) können zusätzlich
zu den Lauten und zum Sprechtext Infiormationen zur
Entschlüsselung liefern. Mit Klang und Modulation
der Stimme lassen sich Gefühle und Appelle transportieren
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(z.T.aus: MKJS Baden-Württemberg 1999)
Einwortsätze und ihre Bedeutung
verstehen lernen
Unterrichtsbeispiel Morgenkreis: Vier Schüler liegen
in einem großen Kreis in Bauchlage auf ihren Liegekeilen.
In der Kreismitte befinden sich herbstliche Materialien (Blätter,
Tannenzapfen, Äpfel,...) in einer Schale. Zu einem Herbstlied
sollen die Schüler die Materialien mit den Händen
berühren. Der Lehrer ruft jeweils einen Schüler,
der an die Reihe kommt, mit seinem Namen auf. Er singt die
Namen, nimmt zum benannten Schüler Blick- und Körperkontakt
auf.Er tritt mit dem jeweiligen Schüler in einen kurzzeitigen
Dialog, unterstützt ihn bei den Handlungen mit dem Material.
Kathrin zeigt folgende Reaktionen: Auf das Ansingen ihres
Namens hin beginnt sie, ihren Kopf anzuheben, blickt zum Lehrer,
hält einen Blickkontakt aufrecht. Sie bemüht sich,
dem Lehrer beide Arme entgegen zu richten. Der Lehrer umfasst
die Unterarme Kathrins. Nach kurzem Innehalten durch den Lehrer
bewegt Kathrin die Arme zur Schale. Der Lehrer lässt
Kathrins Arme los, Kathrin wartet ab, schaut den Lehrer an.
Erneut singt der Lehrer Kathrins Namen, er legt seinen linken
Arm auf Kathrins Rücken (die in Bauchlage auf einem Keil
liegt). Während der Lehrer erneut Kathrins Namen spricht
und diesen in eine kurze Sprechäußerung einbaut
( Kathrin, Kathrin probiere, prima Kathrin, weiter
Kathrin,...), arbeitet Kathrin mit den Händen in
der Schale und berührt die Materialien. Spricht dann
der Lehrer den nächsten Schüler an, schaut Kathrin
zum handelnden Schüler.
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Einwortsätze verstehen
können:
- Sich
angesprochen fühlen beim Hören des eigenen
Namens, des Du
- Namen
Mitschülern und Lehrern zuordnen können
- Einfache
Aufforderungen und Anforderungen verstehen: ja und
nein, bitte, nimm bitte, gib mir, ich gebe dir, wir
beide gemeinsam, gib mir bitte, ganz toll, super (Lob),
nein, nicht, bitte nein (Verbot), ein lautes Nein
(Tadel), Einwortsätze der besonderen Gefühlsbetonung
(der Freude, Begeisterung, Zustimmung, Ablehnung,
Furcht, Schmerz, ...)
- Namen
von Dingen: Kuscheltier, Spielzeug, ..., Dinge ,die
die Schüler gerne mögen
- Handlungen
mit einem Wort und Namen bezeichnen: essen und trinken,
Handlungen, die Schüler gerne mögen, kommen
gehen- nehmen- ...
- Personen
in der Schule mit Namen belegen: Namen von Schülern
und Lehrern kennenlernen, ...
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Zeigen als interaktive Äußerungsform
David hat gelernt, seine Trinktasse zu erfassen und sie
festzuhalten. Die Therapeutin unterstützt die Bewegung
zum Mund, trinken kann David jetzt selbst. Dies wurde in Essenssituationen
geübt. David hatte beim Vesper die Möglichkeit zu
entscheiden, ob er trinken oder essen möchte. Die Lehrerin
hielt jeweils die Trinktasse und den Vesperteller vor David
hin, der, wenn er mochte, seine Hand/seinen Arm entgegenstreckte.
Die Lehrerin zersägte eine Trinktasse und klebte einen
Teil der Tasse auf eine dünne Holzplatte, genauso einen
Plastikteller und eine Spielfigur. Sie legte nun bei der Frage
Was möchtest Du ? Trinken? Essen? Lurchi? (Spielfigur)
drei Holztafeln vor David. David lernte, auf die Stellvertreter
der Dinge zu zeigen.
Sprechen und/oder verstehen von Wort und kleinen Sätzen
sowie der Einsatz von Gebärden oder das Zeigen auf Symbole,
Fotos oder andere visuelle Darstellungen wie auch eine Kombination
von beidem (z.B. Bild/Symboldarstellungen mit Sprachausgabe
auf Programmen) stellt nun eindeutig das Erlernen und den
Umgang mit Zeichen in den Mittelpunkt.
Liefert die leiblich-körperliche Aktion oder Reaktion
genügend Information, so ist die Vielfalt und die Bandbreite
der Interpretation enorm. Die Interpretation z.B. eines Seufzers
einer Schülerin ist selbst im Kontextbezug und im Dialog
mehrdeutig und ist zeichentheoretisch näher am Anzeichen
wie am Zeichen.
Die Schülerinnen und Schüler mit schweren Mehrfachbehinderungen
sind in der Regel durch intensive und umfassende Lähmungsbilder
beim Sprechen oder Zeigen funktionell in einem sehr hohen
Grad beeinträchtigt.
Dialog, Hier und Jetzt als augenblickliche Gegenwart und der
Kontextbezug kennzeichnen den Austausch von Informationen
und liefern hierfür einen Bezugsrahmen. Ein Zeichen
aliquid stat pro aliquod als Bezeichnendes für
etwas Bezeichnetes entwickelt sich erst allmählich aus
den vertrauten und bekannten Situationen
Auswählen und sich entscheiden
Elemente einer kommunikativen Situation
Ein pädagogisches Prinzip ist es, Schüler mit schweren
Mehrfachbehinderungen im Prozeß der Selbstbestimmung
und Mitbestimmung zu unterstützen und zu fördern.
Das Unterrichtsprinzip Mitentscheiden und Sich - Entscheiden
bedeutet für den Unterricht: die Schülerinnen und
Schüler haben die Möglichkeit, in einem Angebot
von zwei oder mehreren Dingen oder zwischen Personen auswählen
zu können. Sie können sich auch entscheiden, kein
Angebot oder mehrere Angebote gleichzeitig anzunehmen.
RÖDLER (1994,235)kommt zu dem Schluß: auch
nicht sprechenden Menschen kann ein Platz im Reich der Sprache
eingeräumt werden, wenn es gelingt, Situationen zu schaffen,
in denen diese Menschen in möglichst unvorhergesehener
Form modulierend auf die sozialen Gesetze, in denen sie leben,
einwirken können.
In vielen wichtigen schulalltäglichen Entscheidungen
kann dies für die Schüler bedeuten: Was möchte
ich essen? Was möchte ich trinken? Möchte ich jetzt
essen oder trinken? Mit welchen Dingen, Lerngegenständen,
Spielsachen, Unterhaltungsdingen möchte ich mich jetzt
beschäftigen oder auseinandersetzen? Mit wem möchte
ich zusammensein? ...
Eine Entscheidungsfindung ist für den Schüler, die
Schülerin, dann möglich, wenn die Dinge oder Personen,
die zur Wahl stehen, auf Bedürfnisse ausgerichtet sind,
durch Bewegung und Wahrnehmung erfahrbar sind und ein Interesse
wecken. Die Präsentation kann durch das Anbieten der
Dinge und Personen selbst oder durch ihre Stellvertreter als
Zeichen angeboten werden. Entscheidungsfindungen fördern
die eigene Aktivität der Schüler.
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Sich entscheiden können:
- Einen
von zwei oder mehreren Gegenständen auswählen.
- Beide
(mehrere ) Gegenstände wahrnehmen und erkennen,
davon auswählen.
- Durch
Zeigen, Zuwenden, Lautieren einen Gegenstand als auserwählten
bedeuten.
- Sich
für Personen entscheiden: Zeigen, Zuwenden, ...
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Bei der Interaktion mit Gegenständen wie Geben und Nehmen,
Auswählen und damit eigenaktiv Agieren, ergeben sich
weitere kommunikative Elemente:
- Bitten
um einen Gegenstand, den ein anderer hat
- Anbieten
eines Gegenstandes, einem Gegenüber etwas darreichen,
anbieten
- Wegtun:
Dinge wegwerfen, wegtun, fallen lassen (etwa bei Nichtgefallen)
- Sich
an Gegenständen orientieren oder durch sie einen
Wunsch ausdrücken:z.B.Teller- ich möchte
essen, Gegenstände in Klassenzimmer und Schulumgebung
(z.B. Zeigen auf die Türe: gehen wir hinaus?
Kommt jemand herein?... Zeigen auf Fenster: wie ist
es draußen? Gehen wir hinaus? Ich möchte
hinaus... Zeigen auf Tasche/Schrank/Dose etc: da ist
etwas drin, das ich haben möchte,...)
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Kommunikativer Umgang mit Bildern
Das Bild als Abbild des Bezeichneten ersetzt als Zeichen
den Originalgegenstand, die Originalperson.
Auf dem Tischchen an Anjas Rollstuhl befindet sich eine
glasklare Kunststoffplatte, unter die ein Din-A-3 Bogen genau
passend eingeschoben werden kann. Anja verfügt über
einen Ordner, der bereits viele fotobestückte Blätter
umfasst. Steckt diese der Lehrer unter die Platte, zeigt Anja
trotz starker Beeinträchtigung durch ihre Lähmung
auf verschiedene Bilder: was sie möchte, was gefragt
wurde, welches Blatt sie für ihre Fragen benötigt
(Übersichtsblatt). Dinge und Personen aus unterrichtlichen
Zusammenhängen sind auf Fotos abgebildet.
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Bilder zur Verständigung
einsetzen:
- Durch Zeigen auf Bilder oder Bildfolgen Gegenstände
und Personen wiedererkennen, zeigen und auswählen.
- Das Abbild von Situationen erkennen und auf sie
verweisen.
- Handlungen auf Bilddarstellungen (z.B. Essen) erkennen
und auswählen
Bilddarstellungen können sein:
- Fotos,
bunte Bilddarstellungen, Schwarz-Weiß Bilddarstellungen,
Bilddarstellung vom Ganzen/ von Detaildarstellungen;
- Ikonische
Bilddarstellung: ein Männchen, eine Hand, eine
symbolisierte Person als Handlungsträger,...
Die Fachliteratur bietet systematisch geordnete
und in der Schwierigkeit abgestufte Angebotspaletten.
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Eine Bemerkung zu den käuflichen Bildsammlungen: sie
liefern ein Kompendium an Fotos, farbigen oder schwarz-weißen
Bildern, Zeichnungen und Piktogrammen. So refereriert FRANZKOWIAK
(1996,22ff) verschiedene Sammlungen (PICSYMS, PCS, PIC, Touch
n talk, LÖB, COMPIC), die in der Unterrichtspraxis Verwendung
finden. KRISTEN (1994) stellt ausführlich Fotomaterial
und grafisches Material dar. Sammlungen wie THE PICTURE COMMUNICATION
SYMBOLS (PCS) bieten oft mehrere hundert Bildangebote.
Ich muß jedoch aus meiner Unterrichtspraxis berichten,
daß im Unterricht mit Schülerinnen und Schülern
mit schweren Mehrfachbehinderungen nur wenige einzelne Bilder
solcher Sammlungen überhaupt anzuwenden waren. Dies führe
ich hauptsächlich auf folgende Gründe zurück:
- Die
Abbildungen sind im Grad der Abstraktion zu hoch, die Bilddarstellung,
wird von den Schülern nicht erkannt.
- Die
abgebildeten Inhalte (Gegenstände und Personen) stehen
im Unterricht kaum im Mittelpunkt.
- Viele
Bilddarstellungen sind auf syntaktischen Gebrauch angelegt
(eine additive Reihung ergibt eine syntaktische Struktur).
- Oft
sind Darstellungen nicht attraktiv produziert,teilweise
schlecht gezeichnet.
- Oft
also sind die Materialien für Schülerinnen und
Schüler mit schweren Mehrfachbehinderungen schlecht
einzusetzen.
Selbsthergestellte Bilder (Fotos und Bilddarstellungen) berücksichtigen
die Wahrnehmungsanforderungen der Schülerinnen und Schüler,
können auf den Einzelnen zugeschnitten hergestellt werden.
Das Abgebildete ist meist ein zentrales und längerfristiges
Thema im Unterricht. Der Handlungsbezug, die Wiederholungsvielfalt
und Redundanz in weiteren Unterrichtsbereichen ist oft gegeben.
Der emotionale Bezug und das Miteinbeziehen der Kinderumwelt
(auch der Familie, der Mitschüler, der eigenen Dinge,...)
ist gewährleistet.
Einige Beispiele von Anjas Foto-Bildersammlung:
- Meine
Mama und mein Papa (Bedeutung: Mama und Papa)
- Anja
(Bedeutung: ich das bin ich -) in verschiedenen Situationen
des Tages
- Mitschüler,
Lehrer ( Einsatz: der/die kommt dran, soll ..., ist heute
da, mag ich, ...):
- Mein
Lehrer und Markus in der Schaukel, die Gesichter meiner
Lehrer und meiner Mitschüler und Mitschülerinnen,
Anja im Mittelpunkt der Mitschüler, Anja auf der Schaukel,
auf dem Liegekissen, im Stehbrett, beim Essen, im Pflegeraum,
...
- Unterrichtsraum
beim Unterricht bei Essen und Trinken Pflegeraum
- Hofpause- Therapeutin Schwimmbad- ... konkrete
Schulräume ( einfacher Bildstundenplan)
- Abbildungen
von Gegenständen: Getränke, Speisen, Pferd vom
Reiterhof, Gegenstände aus dem Unterricht (werden zum
Unterrichtsinhalt angefertigt)
- Schulbus
(Schule ist aus- wir gehen nach Hause)
- Die
Farbfotos im Format 28x24cm sind in der Regel zweichfach
vorhanden, sie können unter die Platte des Rollstuhltisches
gesteckt werden. Eine weitere Verwendung ist eine Steckleiste,
in die die Bildereingesetzt werden können. Eine Trägerkarte
aus starkem Karton versteift die Bilder.
Einige Clip-Art-CDs aus verschiedenen Programmen (z.B. COREL
DRAW!, Clip-Art-Sammlungen) bieten sehr gute, inzwischen durchgängig
farbige, Darstellungen: man kann die geeigneten Bilder ausdrucken.
Trotz des immensen Materialangebotes und vieler Unterrichtsversuche
gelang es meinen Schülerinnen und Schülern und mir
nur in Situationen mit Bildmaterial zu kommunizieren, auf
dem:
- der
direkte Handlungsbezug besteht (z.B. Auswahl eines Getränkes)
- eine
emotionale Bindung besteht (Lieblingsgegenstände,...)
- eine
vertraute Person wieder erkannt werden kann
- rhythmisch
wiederkehrende Tagesereignisse und Räume dargestellt
werden.
Das pädagogische Ziel, mittels Angeboten aus dem Bereich
der unterstützten und gestützten Kommunikation Bildtafeln
und Bildreihen als Stellvertreter wiederzuerkennen, sie syntaktisch
und zeitlich zu reihen quasi als Satzersatz- konnte
längerfristig mit 2 Schülerinnen von 19 Schülern
und Schülerinnen unserer Schule mit schweren Mehrfachbehinderungen
mit Einschränkung erreicht werden.
Elektronische Medien und Hilfen
zur Kommunikation
Um interaktive Handlungen zu ermöglichen und zu erleichtern,
stehen inzwischen durchaus technisch ausgereifte und anpassbare
elektronische Medien und Hilfen zur Verfügung. So bieten
die Firmen RETEACA und INCAP Kommunikationshilfsmittel an:
- adaptiertes
Spielzeug ( Sensorentaster und Autos, Spieltiere etc.)
- großflächige
Bedienelemente als Schalter- und/oder Mausersatz
- Bewegungs-,
Kopf-, Berührungs- Blase-, Halbkugel- und Gewichtsschalter
- Software
- DigiVox
(Schalter-Symbole, Sprachausgabe)
Effektspielgeräte (etwa Tierstimmen-Tasten-Gerät
FISHER-PRICE) oder Sensor- und tastengesteuertes Spielzeug
können wie elektronische Geräte und Licht- und Tongeräte
über den Fach- und Versandhandel der Schulen und von
Anbietern von SNOEZELEN-Materialien bezogen werden.
Besondere Medien und elektronische Hilfen zur Verständigung
setzen eine behutsame Auswahl und eine individuelle Anpassung
voraus. Die unterschiedlichen kognitiven Voraussetzungen und
die Bewegungsmöglichkeiten der Schülerinnen und
Schüler stehen einer weiten Angebotspalette gegenüber.
Vom elektronischen Spieltier bis zur besonderen PC- Software
inclusive angepasster Bediensysteme bietet der Markt inzwischen
eine weite Angebotspalette. Elektronische Geräte bieten
besondere Vorteile:
- Die
Schüler können Geräte in Gang setzen, selbst
entscheiden, einschalten, ausschalten, auswählen, über
eine Programmführung interagieren.
- Unter
der Zielstellung Entscheidungen treffen können
Schüler Ja- Nein-Entscheidungen üben, sie können
unter mehreren Möglichkeiten auswählen.
- Unter
der Zuhilfenahme besonderer Schalter (Kopfschalter, Flächenschalter,
Bewegungsschalter, Tastschalter,...) können Kleingeräte
(Spieltiere, Autos,...) Effektgeräte ( Licht- und Tongeräte),
Kassettenrecorder, Vibratoren, Diashows u.a.m. eingeschaltet
und abgeschaltet werden.
Im interaktiven Dialog mit Geräten können z.B.
Angebote vom Schüler ausgewählt werden, Geräte
mit Sprachausgabe ordnen unterschiedlichen Bildern Sprache
als Stimmen und Sprechtexte zu. Unter der Zielstellung, Vorgänge
zu beeinflussen, können die Schüler mittels besonderer
Schalter oder Systeme Spielgeräte, Ton- und Lichtgeräte,
Effektgeräte, Vibratoren, Bildpräsentationen, Keyboards
und schließlich in Programmen Aktivitäten in Gang
setzen, stoppen und beeinflussen. Unter der Zielstellung Ja-Nein-Entscheiden
kann mit elektronischen Hilfen eine Auswahl zwischen zwei
oder mehreren Möglichkeiten umgesetzt werden: z.B. zwei
verschiedene Sensoren, zwei unterrschiedliche Tastfelder,
die eine eindeutige Reaktion verstärken und sichtbar
machen können.
Mit Schaltern und besonderen Tastenfeldern oder Tastaturen
können beispielsweise Aufgaben bearbeitet werden : Zuordnen
(z.B. Bild zu Laut) verschiedener Elemente.
Handzeichen und Gebärden zur
Verständigung einsetzen
Veronika und ihre Mitschüler werden von der Lehrerin
aufgefordert, sich aus einem Korb Bananen auszusuchen. Diese
werden für das Vesper zu Bananenquark verarbeitet. Anschließend
werden die Schüler aufgefordert, Orangen aus dem Korb
zu greifen. Aus den Orangen soll Saft gepresst werden. Im
Korb befinden sich noch Bananen und Orangen. Veronika wird
gefragt, was sie möchte.Möchtest Du eine Orange
oder eine Banane? fragt die Lehrerin. Veronika, die
sprechend nur einige Laute produzieren kann, macht mit der
linken Hand eine Bewegung, als streiche sie über eine
Kugel. Die Lehrerin interpretiert diese Antwort als ich
möchte die Orange. Sie nimmt die Orange heraus.
Veronika betrachtet ihre Mitschüler, die bereits die
Orange mit einem Messer halbiert haben. Veronika verlangt
nun diese Handlung: sie hält die linke Hand, als umfasse
sie eine Orange und macht mit der rechten Hand eine Hackbewegung
auf dem Tisch. Aha, Du möchtest die Orange schneiden!
erkennt die Lehrerin. Mit Hilfe der Lehrerin schneidet Veronika
die Orange und presst den Saft mittels einer Saftpresse aus.
Wer möchte den Saft trinken?. Die Lehrerin
macht dazu eine Trinkgebärde. Veronika zeigt auf ihre
Brust.
Handzeichen, Zeigen mit der Hand und Gebärden erfordern
von Schülern und Schülerinnen mit schweren Mehrfachbehinderungen
einen enormen motorischen und bewegungsplanenden Aufwand.
Dennoch gelingt nach einiger Übung manchen der Gebrauch
gut. Das Erlernen einer einfachen Gebärdensprache setzt
eine geplante und gezielte motorische Aktivierung von Kopf,
Blick, Arm(en) und Hand (Finger) voraus. Dies kann für
viele Schüler eine große oder nicht zu überwindende
Hürde bedeuten. Schüler können auch über
eine Hilfe der Führung (Körperführung, Handführung
und über Hilfen der gestützten Kommunikation) durch
einen Dialogpartner an erlernbare Zeichen und Gebärden
herangeführt werden. Im Rahmen des Unterrichtes in der
Fördergruppe kamen folgende Zeichen und Gebärden
zum Einsatz:
- Ich
auf sich deuten, zeigen, den Blick auf sich richten, sich
auf die Brust deuten
- Du
auf den anderen zeigen mit Kopf und Blick, Arm und Hand
- ich
möchte Hilfe, bestimmte Dinge: Gesten wie Bedeuten
der Dinge, Herwinken-Geste, Arm und/oder Hand ausstrecken,
Arm und/ oder Finger einsetzen
- ich
möchte nicht, nein danke als Abwinken, Wegdeuten
motorisch umsetzen
- Hallo,
guten Tag Arm und Hand zur Begrüßungsgeste
ausstrecken
- Ja
als Kopfnicken vermitteln
- Nein
durch Kopfschütteln, Kopfdrehen ausdrücken
- Vielleicht,
ich weiß nicht mit Schulterzucken, Kopf nach
links und rechts drehen
- Essen
Finger (Hand) zum Mund führen
- Trinken
Kopf zurücklegen, Finger (Hand oder Faust) zum Mund
führen
- Ich
bin müde und möchte ausruhen als hei-hei
Geste ausdrücken
- Bitte,
ich möchte so gerne als Bitte-Bitte-Geste ausdrücken
- Zu
mir als Herwinken ausdrücken
- gut,
ja, findet mein Gefallen durch Patschen und Klatschen
übermitteln
- Schlecht,
nein, mag ich nicht durch Abwinken kundtun
Diese Zusammenstellung spiegelt Erfahrungswerte aus meinem
Unterricht . Eine Auswahl an Gebärden liefert die Fachliteratur
systematisch und im Schwierigkeitsgrad geordnet.
Lautsprachbegleitende Gebärden werden von MACHE/FISCHER
(1998) grundsätzlich für den Bereich der Kommunikationsförderung
empfohlen. ADAM(1991,173ff) stellt die sprachanbahnende und
sprachunterstützende Funktion von Gebärden im Unterricht
mit Schwermehrfachbehinderten heraus.
Die unterrichtliche Erfahrung hat gezeigt, daß auch
ein Zeigen mit Augen, Kopf, Arm, Hand und durch Drehen und
Neigen des Rumpfes wie durch Mundbewegungen erfolgen kann.
Das Zeigen auf einen realen Gegenstand oder eine Person (im
Beispiel eine Orange) kann allmählich zur Gebärde
werden: die Dinge werden als Zeichen nachgeformt (die Hand
fährt über eine imaginäre Kugel- Bedeutung
Orange) oder bestimmte Zeige-Gesten haben eine vereinbarte
Bedeutung (siehe oben).
Zusammenfassung:
In meiner unterrichtlichen Arbeit mit den verschiedenen Zugängen
zur Förderung der kommunikativen Kompetenz konnte ich
beobachten, daß jede einzelne Schülerin, jeder
einzelne Schüler sein persönliches Repertoire an
Möglichkeiten einbringt. Verständnis und Verstehen
für die Ausgangslage der Schüler sowie der Respekt
vor den Wünschen und Entscheidungen der Schüler
nach Kontakt, Interaktion und Kommunikation bilden die Basis
für das unterrichtliche Angebot. Wünscht der Schüler,
die Schülerin, Kontakt? Wie kann er sich ausdrücken,
wie kann er sein Gegenüber, seinen Partner und dessen
Signale und Zeichen erkennen? Welche Bedürfnisse, Interessen
oder Appelle sind die Auslöser für die Reaktionen,
Signale und Zeichen des Schülers, der Schülerin?
Welche Verhaltensweisen können wir Lehrer und Lehrerinnen
beobachten und beachten, wie diese interpretieren, um Botschaften
lesen zu können?
Im Wunsch nach einem Austausch eröffnen sich unterrichtliche
Möglichkeiten und zeigen sich bald auch Grenzen. Verstehen
und Verstanden werden - ein Anspruch über Zeichentheorie
hinaus. Respekt vor einer anderen Lebensäußerung
und dessen Akzeptanz kann den Wunsch nach Verständigung
ausmachen. Es ist festzustellen, daß jeder Schüler,
jede Schülerin, ein persönliches Profil an Voraussetzungen
und Lernmöglichkeiten darlegt. Als Kernbereiche haben
sich:
- die
Aufnahme und Erhaltung von Körperkontakt
- der
Dialog als erster Schritt zur Verständigung
- sensorische
Kooperation und Interaktion
- und
Formen der Körpersprache erwiesen.
Über die Möglichkeit, Laute zu produzieren, Vokalfolgen
als Zeichen einzusetzen, Worte zu verstehen und Wortteile
selbst zu produzieren verfügen Schülerinnen und
Schüler der genannten Gruppe in unterschiedlicher Weise.
Gegenstände zu zeigen, in Interaktionen Gegenstände
als Inhalt der Interaktion zu benutzen, Bilder und Darstellungen
zu erkennen, elektronische Hilfen zur Verständigung nutzen
und Gebärden einzusetzen ist für die Schüler
unser Fördergruppe in einem begrenzten Umfang möglich.
Eine Erweiterung und Förderung der kommunikativen Kompetenz
der Schülerinnnen und Schüler sind eher in einem
individuell zugeschnittenem Angebot für den Einzelnen,
die Einzelne, in Sicht. Die Förderung der kommunikativen
Kompetenz kann im Unterricht in der Kombination der verschiedenen,
dargestellten Bausteine realisiert werden.
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Incap GmbH:
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